Das Google-Lebens-Spiel

10. Juni 2005, 16.27 Uhr von

Google plant Städte in 3D nachzubilden. Als Ergänzung zu Google Maps soll das dienen, damit man endlich auch mal persönlich aus dem fernen Deutschland durch US-Metropolen laufen kann. Am Anfang vielleicht spannend und, sofern Papa Luigi seine Pizzeria darin verlinkt haben will, auch lukrativ, aber bald: Gääääähn!. Wir erklären Google, wo die wirklichen Highlights der neuen Technik liegen.

Das Zauberwort lautet: MMORPG, ausgeschrieben Massive(ly) Multiplayer Online Role-Playing Game, oder auch auf Deutsch Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiel. Ja genau, das sind diese Spiele wie World of WarCraft, Everquest oder Guild Wars, bei denen sich tausende Spielern tagelang auf Servern rumtreiben, virtuellen Berufen nachgehen und elitäre Monster metzeln. Und dafür ordentlich Kohle blechen.

Wer die zwei Gedanken zusammenführt, kommt ganz einfach auf den nächsten Google-Coup. Kein Larifari-Marketing, nein, ein Real-Life-MMORPG. In richtigen Städten. Mit richtigen Menschen. Wer da erfolgreich ist, wird halt nicht Paladin Stufe 60, sondern steigt vom tristen Aktensortierer in der Kanzlei zum Staranwalt auf. Wer genug Quests erfüllt (Mülleimer ausleeren, Fleisch kaufen für alte Omas, den Fernseher zum Pfandleiher bringen für mehr WoW-Kohle), hat dann auch die Chance, weiter aufzusteigen. Bürgermeister. Filmstar. Präsident. Die Elite kommt dann in den Club der Freimaurer.

Wäre das nichts? Statt öde irgendwelchen Orks hinterher zu hecheln, kann man endlich auch mal mit einem Küchenmesser (+2 Agilität, aber wenig Power) in den Häuserschluchten von Frisco Jagd auf dicke Burger-Mampfer machen. Alternativen gibt?s natürlich auch außerhalb der Städte, wo man auf dürre ElfenModels beim Frühsport oder Greenpeace-Aktivisten trifft.

Alternativ zieht man das ganze kleiner auf, und bewirbt es lokal als Sims-Alternative. “Bauen Sie Ihre Stadt um, und werfen Sie die Nachbarn aus den Häusern!” Quasi Sim-City im neuen Gewand.

Und wenn sich das ganze dann doch auf dem Spielesektor nicht so gut läuft, dann verkauft man das ganze an die US-Army. Die darf dann in realen Häuserschluchten virtuell üben. Wegen der Terroristen. Sie wissen schon.


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2 Antworten zu “Das Google-Lebens-Spiel”

Avatar Peter meint:

Wagenhöfer, du hast es mal wieder nicht kapiert. Hier will keiner Häuser einreißen und neue bauen, auch nicht als Sim-Bürgermeister. Google möchte, dass man sich die Straße anschauen kann, wo das neue Restaurant liegt. Für den Fall, dass man dorthin die Liebste ausführen will. Ganz praktisch wird es allerdings erst, wenn die Ex-Liebste in der selben Straße wohnt und man am 3D-Modell abcheckt, ob sie von ihrem Fenster aus sehen kann, wie man mit der Neuen im Restaurant verschwindet. Also, Wagenhöfer, schnell einen Flug nach Frisco buchen und vorher noch die Ex in einer der dortigen Häuserschluchten postieren.

Sven Wagenhöfer meint:

Giesecke, nicht jeder denkt bei so etwas gleich wieder an Weibchen – manche halten auch den Blick weiter geschweift. Denk doch mal an die Folgen – tausende jugendliche, die nur noch vor ihren Rechnern sitzen, weil sie da endlich die realistische Chance haben, mal Bürgermeister zu sein. PISA-Studie hin oder her, so kann jeder mal erfolgreich sein. Vielleicht schenke ich dir das ja dann sogar zu Weihnachten.

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