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Bullshit und Statistiken

16. Juni 2005, 0.31 Uhr von Sven Wagenhöfer

Es gibt manchmal einfach Situationen, wo man den gesunden Menschenverstand einschalten muss. Falls Sie Statistiker sind: das gilt auch für Sie. Gerade für Sie. Wirklich. Denn die Analyse von Statistiken (manchmal auch als Bla-Bla bezeichnet) ist eine delikate Sache. Und oft auch einfach nur großer Bullshit.

Das meint zumindest der Economist, der über vorgelegte Zahlen der BSA lästert. Richtig gelesen, BSA, nicht BSE. Ausgeschrieben ist das die Business Software Alliance. Das sind Männer in Anzügen, die gerne den bösen Raubkopierern im Auftrag von Microsoft und anderen auf die Finger klopfen.

Deren Gleichung ist in einem vorgelegten Bericht ganz einfach: für jedes raubkopierte Softwarepaket geht dem Betreiber Geld flöten. Ne klar, ist ja logisch. Der pickelige 15jährige, der sich auf dem Schulhof Photoshop besorgt, würde ja auch gerne über 1000 Ocken lockermachen, wenn ers nicht vom ebenso pickeligen Freund für lau bekommen würde. So argumentiert auch der Economist – schließlich ist die Softwareindustrie ja kein Supermarkt, der die Klau-Ware vorher eingekauft hat.

Richtig überrascht hat dann allerdings die Reaktion der BSEBSA-Jungs. Im Leserbrief wird noch einmal ganz deutlich klargestellt, dass die Leute vom Economist ja gar keine Ahnung haben.

Your article on software piracy was extreme, misleading and irresponsible (“BSA or just BS?”, May 21st). The headline was particularly offensive. The implication that an industry would purposely inflate the rate of piracy and its impact to suit its political aims is ridiculous. The problem is real and needs no exaggeration.

Richtig so, liebe BSA. Das Problem ist real - nur habt ihr es noch nicht erkannt. Denn das Problem seid ganz klar ihr. Beziehungsweise euer gesunder Menschenverstand. Und den sollte man manchmal eben einschalten. Und das ist bestimmt nicht übertrieben.

4 Antworten zu “Bullshit und Statistiken”

Avatar Peter Giesecke meint:

Richtig, Wagenhöfer, aber die Frage ist doch nicht, was irgendwelche Statistiken vor sich hinlügen, sondern was für Software du auf deinem Rechner hast. Legal, illegal, scheißegal? Was die BSA da von sich gibt ist offensichtlich PR-Kram, die IFPI macht es nicht anders, aber mancher Leser/Konsument überlegt sich dann doch, ob das System noch funktionieren kann, wenn jeder alles für lau zieht. Mein Rechner ist sauber. Und deiner, lieber Wagenhöfer?

Sven Wagenhöfer meint:

Erst gestern geputzt, lieber Giesecke. Denn wie die c’t behauptet, tummeln sich mehr Bazillen beim PC als auf dem Bad. Darüber lässt sich sogar eine ganze Sendung machen. Denk mal drüber nach, was das saubersein jetzt wirklich bedeutet.

Carsten meint:

der pickelige 15jährige könnte auch genausogut GIMP nutzen. Für alles andre gibt es auch ordentliche OpenSource Alternativen. Das fängt bei der DVD-Software an und hört beim ICQ-Clienten auf. Und Windows (c) gibt’s endtweder zum PC dazu oder die jeweils aktuelle Version nach geringer Wartezeit beim Händler um die Ecke als OEM für plusminus 100 Ocken. Was darüber in Sachen Spiele hinausgeht ist Luxus den man sich entweder leisten kann oder eben nicht. Wer keine 60 Euro für den neuste Ballerspaß ausgeben kann oder will muss sich Morhuhn 1 ganz legal laden. Punktum.

Avatar Peter Giesecke meint:

Wo der Carsten recht hat, hat er recht. ;-)

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