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Mit der „digitalen Spaltung“ ist die „Sättigungsgrenze“ erreicht, oder?

23. Juni 2005, 10.47 Uhr von

Schrumpfender Zuwachs“ titelt Spiegel Online, „‚Internet für alle‘ noch nicht in Sicht“ schreibt heise online. Zwei Meldungen von der selben Baustelle, auch wenn es sich nicht so anhört. Wieder einmal ist der (N)onliner-Atlas von TNS Infratest erschienen. Dazu die entsprechende Pressemitteilung, für die jeder Journalist dankbar ist. Geht halt schnell. Und Internet liest sich immer gut. Zuguterletzt wird auch die Headline noch reißerisch angeliefert, wie der Werbeblogger richtig feststellt. Aber wie sieht denn die Internetnutzung in Deutschland nun wirklich aus?

(N)onliner-Atlas
Quelle: (N)onliner-Atlas

Die Entwicklung lasse den Schluss zu, dass der Markt sich seiner Sättigungsgrenze nähere, sagte der Vorstandsvorsitzende der Initiative D21, Thomas Ganswindt.

So Spiegel Online. Das hört sich ein wenig nach „Arbeit erledigt, auf zur nächsten Aufgabe“ an. Im Mobilfunkmarkt bedeutet Sättigung immerhin: Jeder hat ein Handy, wenn nicht sogar zwei.

Belegt wird die vermeintliche Sättigung mit den üblichen Zahlen: Wie viele Deutsche sind online? Wer plant demnächst online zu gehen? Das ist klassische Marktforschung. Nur leider sagt sie nichts darüber aus, wie sich die Internetlandschaft in Deutschland tatsächlich verändert. City-Flatrates für 4,99 Euro und DSL 2000 als Standard für Neueinsteiger findet sich nicht einmal zwischen den Zeilen.

Immerhin geht die Studie die Pressemitteilung auch auf die weißen Flecken im Internetland ein: ländliche Regionen, insbesondere in Ostdeutschland; Ältere; Menschen mit geringer Bildung. Das interessiert dann auch heise online mehr. Dort wird Ganswindt dann zwar nur indirekt, aber ganz anders zitiert. Es ist eben doch nicht alles paletti.

Thomas Ganswindt, Vorsitzender der Initiative D21 und Siemens-Vorstandsmitglied, sieht die verbleibende digitale Spaltung mit Sorge.

Das gezielte Zitatenpicking entspricht wohl der Ausrichtung der beiden Magazine.



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