Die Freitag-Frei-Strategie
5. Juli 2005, 0.24 Uhr von Sven WagenhöferJeder Schreiberling ist irgendwie abhängig von den Pressestellen. Denn die Leutchen von der “anderen Seite” verschicken lobpreisende Pressemitteilungen und geben bei Fragen gerne Auskunft. Meistens zumindest. Wenn es zu ihrem Vorteil ist auf jeden Fall. Und wenn nicht, dann ist halt auch mal Freitags schon frei - man hat es sich ja schließlich verdient.
Bestes Beispiel für Aktionen dieser Art war letzte Woche die GEMA mit ihren Internetzensurbemühungen. Was genau bemüht wurde, darüber wurde schon an anderer Stelle berichtet und kommentiert. Allerdings wieder typisch: Der böse Brief kommt am Donnerstag, die Magazine berichten am Freitag, und Kollege Pressemann ist beim Angeln. Oder ständig im Meeting. Oder eben einfach nicht zu erreichen.
Das umgekehrte Phänomen ereignet sich immer bei Produktneuheiten, gerne auch vor einer Messe. Da ist die Pressestelle wahrscheinlich auch mitten in der Nacht besetzt oder klingelt schon morgens Punkt acht Uhr noch vor dem Wecker durch. Auch gerne Samstags, immer anrufen, es gibt ja was neues tolles überdimensionales, das der brave Journalist in die Welt posaunen soll.
Mich persönlich ärgern diese Drückeberger. Wer in der PR arbeitet, hat sich auch den Konsequenzen der Firmen-Aktionen zu stellen. Eben auch unbequeme Anrufer und Nachfragen geduldig zu ertragen, auch mal kleine Popelmagazine zurückzurufen und sich der Kritik zu stellen, vor allem aber nicht immer die Sekretärin zum Abwimmeln vorschicken. Ja, sogar Freitags. Denn der ist eben nicht immer auch wirklich ein Frei-Tag. Schon gar nicht, wenn’s drauf ankommt.







5. Juli 2005 um 09.32 Uhr
Gut gebrüllt, Wagenhöfer, schau mal auf die Uhrzeit deines Eintrags. Ich hoffe mal, du erwartest nicht, dass dir auch zu dieser Nachtzeit noch ein Pressesprecher Rede und Antwort steht. Was regst du dich auf? Freitagmittag ist halt schluss. Bei Behörden allemal. Und man kennt doch langsam die Unternehmen, die es ebenso handhaben (die Ex-Behörden zum Beispiel). Würden die bis abends um sechs arbeiten, würde eben auch die Pressemitteilung entsprechend später rausgehen. Das ist halt PR-Strategie.