Netzausfälle

Die Relevanz bei amazon.de

20. Juli 2005, 17.44 Uhr von Sven Wagenhöfer

Search Inside!” heißt das tolle neue Feature bei amazon Deutschland (in den USA gibt’s das schon ne ganze Weile). Nicht mehr nur im Buchtitel suchen, sondern auch im Inhalt. Klingt eigentlich ganz cool, vor allem mit dem Versprechen, auch direkt in den (eingescannten) Buchcontent reinschnuppern zu können. Für die Suchergebnisse allerdings ist die neue Methode ein Schuss in den Ofen - denn die Vervielfältigen sich damit exponentiell. Und sind absolut nicht mehr zu gebrauchen. Zeit für ein neues System, quasi eine Such(r)evolution!

Amazon Search Inside
Quelle: amazon.de

Beispiel gefällig? Nehmen wir mal an, ich will mich mit Gieseckes Kohle nach Brasilien absetzen, und suche ein gutes Buch über den lateinamerikanischen Staat. Eine Suchanfrage nach “Brasilien” liefert mir 1082 Treffer. Was für ein ordentlicher Brocken. Die ersten drei Treffer allerdings erscheinen schon ziemlich brauchbar, zwei Bücher über das Land und ein Reiseführer. Mit “Search Inside” indes will mir amazon ganze 2732 Treffer aufdrängen - und nur die Hälfte davon ist nützlich. Denn die Krux ist: Die “Search-Inside”-Ergebnisse lassen sich noch nicht einmal sortieren, weder nach Titel noch nach Relevanz. Dazu kommt, dass sich in den eingescannten Seiten dann doch ein paar Fehler eingeschlichen haben - statt “Wein” wurde mir “\Vein” ausgegeben.

In wie weit die neue Blätter-Funktion nützlich sein kann, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Ja, ich gebe zu, gerade bei außergewöhnlichen Themen kann das neue Feature auch ganz nützlich sein. Eine Suche nach “Illuminati” findet mehr als nur den üblichen Dan-Brown-Roman. Ob aber der Leitfaden für Existenzgründer mir bei Recherchen über Geheimbünde wirklich weiterhilft: Ich denke nein.

Zeit also für amazon, das Suchkonzept zu überdenken. Meinem Buchhändler sage ich ja auch nicht, dass ich ein Buch will, in dem “Illuminati” vorkommt. Nein, dem gebe ich mehr Infos - und wenn er gut ist, weiß er auch sofort, in welchem Regal das beste Buch zur Thematik steht. Alternativ fragt er einen Kollegen, der sich besser auskennt.

Wie wäre es denn, wenn die User bei amazon mehr Einfluss auf die Suche haben könnten? Statt die Server mit Scans von zigtausend Büchern zu überlasten, wäre nicht ein Tagging-System hilfreich? Dass solche Projekte, bei denen User die Oberhand über Sortierung und Ordnung haben, erfolgreich sind und auch gute Ergebnisse liefern, zeigen Flickr und die Wikipedia.

2 Antworten zu “Die Relevanz bei amazon.de”

Avatar Peter Giesecke meint:

Pack mal einem nackten Mann in die Tasche.

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Ne, lieber nich, Giesecke. Bleib mal schön angezogen. Das war ja auch nur hypothetisch. Das kennst du ja, so mit Gedankenspielen und so Sachen. Und: was wollte ich denn wirklich in Brasilien? Hier bekomme ich doch schon relativ günstig mein DSL-6000, und habe kein Problem mit Giftschlangen oder Skorpionen. Nur halt mti der Telekom. Aber das kann man auch durchstehen.

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