Die undankbaren Quartalszahlen

23. Juli 2005, 2.15 Uhr von

So, wieder drei Monate rum. Das heißt aber nicht nur wieder 10 Euro beim Hausarzt hinklatschen, sondern vor allem auch: Zahlen. Statistiken. Ausblicke. Enttäuschung und Freude. Genau, der Quartalsabschluss der Firmen. Für die schreibende Zunft eine undankbare Zeit – denn die eigentlich langweiligen Zahlenkolonnen müssen aufbereitet und auch irgendwie interessant an den Leser gebracht werden.

Dabei gibt es generell zwei Arten von Pressemeldungen über die Abschlüsse. Die einen werfen mit Zahlentabellen und wilden Abkürzungen um sich. Wer da nicht schon jahrelang in der Wirtschaftsredaktion arbeitet oder selbst gelernter Steuerfachmann ist, kann schon mal den Überblick verlieren. Andere Firmen wiederum machen sich mehr Arbeit und fabulieren mit Aussagen der Oberbosse vor sich hin, verpacken die Zahlen in schöne Zitate und spicken die Meldung mit Adjektiven der Superlative. Die letzteren sind für den gemeinen Journalisten natürlich besser, kaum Arbeit, kann man gleich so übernehmen.

Für die meisten Leser allerdings ist das Finanzgeschwafel sowieso nur Gewäsch, das nicht wirklich interessiert. Vor allem bei Magazinen, die sich ansonsten auch nicht den Wirtschaftspart auf die Fahnen geschrieben haben wirken die Meldungen deplatziert. Ich würde mir da definitiv lieber eine Zusammenfassung wünschen: AMD rauf, INTEL runter, Google macht Millionengewinne. Aber natürlich sind die Quartalsmeldungen auch ein ideales Mittel, um das Sommerloch zu füllen und die Zahl der täglichen News (für die Statistiken!) aufzustocken. Ein Schelm, wer also bei der nächsten Zahlen-BlaBla-Meldung Böses denkt…


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2 Antworten zu “Die undankbaren Quartalszahlen”

Avatar Peter Giesecke meint:

Ach Wagenhöfer, was willst du denn mit den Wirtschaftsnachrichten? Auf Partys rumprotzen? Dann geht es den Gästen doch genauso wie dir jetzt noch beim Lesen der Wirtschaftsnews. Das interessiert doch kaum jemanden. Viel luschtiger finde ich das Copy-Paste-Verhalten der Redaktionen. Wobei es ja auch Spezialisten gibt, die einfach nur die AFP-Meldung freischalten.

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Agenturmeldungen sind legitim, Giesecke. Dafür zahlen die Redaktionen ja schliesslich Kohle. Allerdings würde ich mir auch öfter wünschen, dass statt Masse eher Klasse herrscht. Einen dpa-Newsticker kann ich mir selbst besorgen – was mich interessiert ist eher die Würze, welche gute Schreiberlinge in die Standard-Kost bringen.

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