Mattscheibe

Film-Blogs. Oder: Was den deutschen Bloggern blüht

25. Juli 2005, 1.11 Uhr von Sven Wagenhöfer

Deutsche Blogger haben’s eigentlich ganz gut. Hier ist die Bloggemeinschaft noch überschaubar, es gibt wenig Trolle bei den Lesern und auch die Themenauswahl passt meistens. Das sieht im Blog-Mutterland, den USA natürlich ganz anders aus. Wer dort kein eigenes Blog hat und seine Gedanken und privaten Abenteuer in die Welt hinausposaunt, ist schon wieder cool abgemeldet. Neu ist aber, dass Filmemacher jetzt ein Blog für sich als Quelle entdeckt haben - und die Geschichten von Stephanie Klein jetzt verfilmt werden.

Greek Tragedy

Zugegeben: ein Hollywoodstreifen wird’s nicht, sondern lediglich eine Sitcom. Genau, so eine Lachnummer. Statt also alte Ideen zu recyceln und sich Stories aus den Fingern zu saugen, kommen die Ideen aus dem wahrem Leben. An Einträgen zumindest mangelt es bei “Greek Tragedy” sicherlich nicht: die gute Dame bloggt seit Anfang 2004 über ihr Leben. Solange es an Qualität “Sex and the City” übertrifft, könnte man sich das Werk, für das es noch kein Startdatum gibt, sicherlich mal anschauen.

Ich hoffe allerdings, dass nicht plötzlich einer der deutschen Sender Gefallen an der Idee findet, und Stoff aus der deutschen Bloggerszene klauen will. Mit grauen Stelle ich mir schon das arte-Special über diverse Medienblogs vor. Ein digitalisierter Vincent Price verliest mit Kulisse Aquarium oder Kaminfeuer bei leichter Klaviermusik Kommentare über aktuelle Medienereignisse. Die RTL-Version wäre dann wohl das BILDblog für Arme - natürlich gesponsert von BILD direkt, gekennzeichnet als Dauerwerbesendung.

Auch die deutsche Eigenproduktion auf PRO7 würde ich mir dann wohl nicht antun. Die verfilmt das Leben von Spreeblicks Johnny Haeusler - gespielt von Stefan Raab, damit die Einschaltquote stimmt. Die ganzen Schmuddelblogs über absurde Sexpraktiken könnte RTL II zum neuen Softporno-Verschnitt für die breite Masse umformen. Oder gleich das große Blog-Quiz ins Leben rufen. Für die Nachtschwärmer natürlich.

Nein, es ist ganz gut, dass die deutschen Blogger aufs Internet beschränkt bleiben. Oder will jemand Giesecke beim Tatort-Kucken mit einem Bier in der Hand im Nachtprogramm sehen, wie er einkommende SMS verliest? Ich nicht. Das normale Programm reicht schon so zum Abschalten.

Update….
Tja, heise war wohl zu dumm - und ich auch. Habe mich gerade ein wenig mit Frau Klein unterhalten (die ist übrigens ziemlich nett). Und die Sitcom handelt keineswegs von ihrem Blog. Sondern hat das erste Buch, das sie geschrieben hat, als Basis. Und auch das ist nicht direkt eine 1:1-Abschrift aus dem Blog. Schade eigentlich.

2 Antworten zu “Film-Blogs. Oder: Was den deutschen Bloggern blüht”

Avatar Peter Giesecke meint:

Stefan Raab in der Hauptrolle der Spreeblick-Verfilmung? Bei dir im Sommerloch scheint es ja ganz schön heiß zu sein, lieber Wagenhöfer. Die Greek Tragedy wird doch nur ins TV-Format übertragen, weil es ein persönliches Tagebuchblog ist. Wenn Johnny Haeusler darüber schreiben würde, wie er sich die Zehennägel schneidet, dann wäre das vielleicht ein Sitcomfolge wert, allerdings mit Oliver Pocher in der Hauptrolle, nicht mit Specky Raab.

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Oliver Pocher wäre vielleicht die Zweitbesetzung. Ändert nichts dran, dass ich den nicht mag und für jegliche Rolle ungeeignet finde. Sei es jetzt Haeusler oder auch jegliche andere Figur aus dem realen Leben. Und die Verfilmung, lieber Giesecke, meinte ich auch eher nicht als Blog-Sitcom sondern als Biographie. Man muss den Hausfrauen, die während der Wiederholungen bügeln, ja schliesslich was bieten. Von Rockmusik über Radio bis hin zu Reinkarnation als Blogger ist alles dabei.

Für mich hätte ich übrigens auch schon die Optimalbesetzung gefunden. Ja, genau, Christopher Walken, der in seinem Spiegel-Interview meint: “An mich reicht keiner ran”. Die Einstellung gefällt mir, so seh ich das auch. Der dürfte mich spielen.

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