Haben Mumien Sex?
26. Juli 2005, 21.17 Uhr von Sven Wagenhöfer
Quelle: Spiegel OnlineDie Erfahrung zeigt, dass das Schwerste an einem Artikel entweder die Überschrift, der erste Satz oder das begleitende Bildmaterial ist. Gesegnet ist die Redaktion, die einen großen Fundus an Pressebildchen im Archiv hat, das am besten noch Volltextsuche unterstützt. Notfalls setzt man halt den Prakti auf Google an und lässt ihn das passende Foto zum Artikel rauskramen. Das scheint auch in der Spiegel-Printausgabe ab und an der Fall zu sein - denn dort werden jetzt schon Mumien mit Bettspielchen in Zusammenhang gebracht. Was eine grausige Vorstellung.
Die Meldung ist eigentlich ganz belanglos: Wer viel Salat einer bestimmten Sorte in sich reinstopft, kann länger, schneller, besser. Natürliches Aphrodisiakum ist das Stichwort. So weit so gut. Aber warum, liebe Spiegel-Bildredaktion, ist das begleitende Bild eine Mumie? Die Bildunterschrift macht auch noch einmal deutlich, dass hier nicht die antike Fruchtbarkeitsgöttin gemeint ist: “Mumie: Benutzten die alten Ägypter Salat zur Stärkung der Libido?”.
Dabei hätte man da doch so schöne Bilder nehmen können - ganz simpel zum Beispiel ein Salatblatt. Oder den Forscher, der die neuen Erkenntnisse gewonnen hat. Wenn man ein bisschen dreist ist, auch einen hübschen, nackten Körper. Oder ein Paar beim Liebesspiel. Aber doch keine Mumie. Auch wenn die was mit Ägyptern zu tun hat. Oder sind die Spiegel-Redakteure schon so alt und vertrocknet, dass sie sich in einem Sarkophag am wohlsten fühlen würden?







27. Juli 2005 um 09.42 Uhr
Vielleicht sind die Ägypter beim Höhepunkt verstorben. Trotz Salat-Turbo. Schon mal daran gedacht, Wagenhöfer?