SPD scheitert an der 1,72-Prozent-Hürde
27. Juli 2005, 6.32 Uhr von Sven Wagenhöfer
Quelle: SPDWahlwerbung ist schon was Tolles. Da kann man nämlich endlich mal draufhauen und im ganzen Land verbreiten, was man von der gegnerischen Partei hält. Die SPD hat sich, wie Spiegel Online berichtet, ganz auf CDU-Chefin Merkel eingeschossen. Ist ja prinzipiell auch deren gutes Recht, man muss den Bürger natürlich über die negativen Seiten der Wahlalternativen aufklären. Ein bisschen Hirnschmalz sollte man dafür allerdings schon einsetzen - und vor allem mit den eigenen Aussagen etwas klarer und korrekter sein. Dass dies bei der SPD leicht übersehen wurde, zeigt der “Ich koste 2% mehr”-Sticker.
Der Aufbepper soll, so es die SPD will, wohl vor allem auf Produkten landen und Aussagen zum neuen Preis nach der Wahl 2005 machen. Die Message ist für Bildzeitungsleser (auf die sind die Sticker allein von der Machart her augenscheinlich ausgerichtet) klar: Merkel setzt die Mehrwertsteuer rauf, die Sachen kosten mehr. Ob dies volkwirtschaftlich Sinn macht, ist natürlich umstritten. Allerdings liebe SPD: Nur weil plötzlich die Mehrwertsteuer um einen gewissen Prozentsatz erhöht wird, werden die Produkte nicht gleich um den gleichen Prozentsatz teurer.
Allein schon, wenn man den guten alten Rechenschieber (alternativ den Windows-Taschenrechner) in die Hände nimmt, fällt die Diskrepanz auf. Richtig, nicht 2 Prozent, sondern nur etwa 1,72 Prozent würde das Produkt nach der Erhöhung mehr kosten. Da hat wohl einer in der SPD-Propaganda-Abteilung in Mathe nicht ganz aufgepasst. Oder sich gedacht, “2 Prozent” sähe besser aus auf den Pamphleten als “1,72 Prozent”. Fragt sich nur, was der Bürger will - eine Regierung die ehrlich mit ihm ist und Rechnen für Anfänger beherrscht, oder eine solche, die nur auf den schnellen Haudrauf-Effekt aus ist?






27. Juli 2005 um 09.52 Uhr
Auf den Punkt gebracht, Wagenhöfer. Wenn die Mehrwertsteuer sich um zwei Prozent erhöht, wird das Produkt nur 1,72 Prozent teurer. Ich bin gespannt, ob die SPD auf diese Weise auch ihre Wahlprognose errechnet. Nachher wollen die noch 40 plus X Prozent, was tatsächlich aber nur 25 minus X sind. Das wäre dann allerdings der Ist-Zustand.
Ich glaube übrigens, dass der Schuss nach hinten los gehen wird. Auf ein “Alles wird teurer mit der CDU” wären die Wähler vielleicht noch reingefallen. Bei zwei Prozent wird allerdings sehr schnell argumentiert werden, dass die Preise dann gar nicht erst erhöht werden. Oder dass zwei Prozent läppisch sind.