Ich bin zu doof - sagt Telepolis
30. Juli 2005, 20.53 Uhr von Sven WagenhöferNicht falsch verstehen: Ich mag Telepolis. In der Online-Artikel-Grabbelkiste - gesponsert vom heise Verlag - findet man allerlei nützliche und lustige Geschichten. Über die verschiedensten Themen berichten da freie Autoren, die Einträge reichen von wichtig bis hin zu vollkommen belanglos. Aber manchmal gibt mir Telepolis echt das Gefühl, ganz klein und dumm zu sein.

Quelle: Telepolis
So wieder geschehen bei einem Beitrag aus der Sparte Wissenschaft - Dead or Alive. Kurz zusammengefasst geht es darum, wie sich tote von lebenden Zellen unterscheiden lassen. Das weiß ich jetzt, nachdem ich mir den Artikel ein paar Mal durchgelesen habe. Es scheitert dabei allerdings weniger am Verständnis der Materie, sondern wohl eher an der Schreibe von Telepolis-Schreiberling Thomas Liebsch. Auszug gefällig?
Das übliche Prinzip der Elektrophorese ist die mit dem Molekülradius variierende Wanderungsgeschwindigkeit suspendierter Molekülionen in elektrischen Feldern; die Methode eignet sich auch für Makromoleküle oder Zellen, sofern sie eine elektrische Ladung tragen. Die Wanderungsgeschwindigkeit ist dabei der Stärke des angelegten elektrischen Feldes proportional sowie umgekehrt proportional zum Teilchenradius und zur Zähigkeit des Mediums.
Ich geb’s ehrlich zu - den Teil musste ich mindestens zehnmal lesen, um ihn zu verstehen. Nur: Ist das denn Sinn der Sache? Natürlich verlange ich jetzt hier nicht, dass sich TP auf biederstes populärwissenschaftliches Niveau herunterlässt. Dafür liest man dann die P.M.. Nein, ich bin froh, wenn wissenschaftliche Abhandlungen genau erklären, was denn nun abgeht und an welchem Molekül welches Ion gedreht werden muss, damit ich endlich die Zellen vom toten Onkel Karl und dem lebendigen Häschen, das ihn tot gebissen hat, unterscheiden kann.
Allerdings: Muss man denn in jeden Satz gleich zwanzig Zusammenhänge packen? Ja, denn die deutsche Wissenschafts-Journaille scheint Bandwurmsätze zu lieben. Und natürlich muss jedes zweite Wort ein Fachbegriff sein. Schade, dass ich mir bei den wenigsten dieser Artikel die Arbeit mache, sie so genau zu lesen wie den oben erwähnten. Denn dafür fehlt mir schlichtweg die Zeit. Allerdings ist so ein Artikel ja nicht zum Selbstzweck erschienen, sondern dient der Information. Und die geht in zu kompliziertem BlaBla dann schnell verloren. Und der Leser fühlt sich wieder ein Stückchen dümmer - oder zumindest nicht schlauer als vorher. Schade eigentlich.






31. Juli 2005 um 08.03 Uhr
Tja, Wagenhöfer, sei froh, du hast es wenigstens nach zehn Mal durchlesen verstanden.