Spon und Spott

Die Jagd nach dem verschwundenen Namen

1. August 2005, 19.20 Uhr von Sven Wagenhöfer

Gerade Redakteurs-Frischlinge sind geil auf den Online Schwanzvergleich. Denn da kann man direkt sehen, wie viele Leser den eigenen Artikel angeklickt haben - im Gegensatz zum Print-Medium ziemlich praktisch. Noch dazu steht unter dem Artikel der Name - je mehr Veröffentlichungen rausgepfeffert werden, desto besser. Schließlich steht auch die Anzahl der Schreiberei-Perlen in der Statistik, und wenn der eigene Name mal wieder Online ist, macht man Mama glücklich. Bei Spiegel-Online allerdings scheint das nicht so zu sein. Denn da steht nicht immer ein Name dabei. Wir haben nachgefragt, warum das so ist.

SpOn Panorama
Quelle: Spiegel Online

“Oh, dass kann ich Ihnen jetzt gar nicht sagen, da muss ich Sie weiter verbinden.” Wohl der Satz, den ich heute beim Anruf in der Spiegel Redaktion am meisten hören musste. Denn es ist wirklich nicht einfach, dort jemanden zu erwischen, der sich auch mit der Seite auskennt. Und mich dann nicht an die Redaktion von Spiegel-Print weiterleitet. Aber schlussendlich hat’s dann trotzdem geklappt - beim dritten Versuch, denn beim ersten und zweiten waren alle, die es wissen konnten, in der Mittagspause.

Die Lösung des Rätsels um die verschwundenen Namen ist eigentlich ganz simpel. Denn das sind Artikel, die keine wirkliche Spiegel-Eigenleistung sind. Also, irgendwelche Nachrichten. Keine recherchierten Berichte. Aha. “Also nur Agenturmeldungen?”, hake ich nach. “Nein, nicht direkt. Die werden ja auch umgeschrieben, wir haben ja unseren eigenen Stil”, gibt mein weibliches Gegenüber am Telefon zu verstehen. Aber man könne den zuständigen Redakteur auf jeden Fall per Leserbrief erreichen, oder wenn etwas wahnsinnig falsch wäre im Artikel, habe sie auch die Namen im Computer und könne mich durchstellen.

Also steckt dann doch ein wenig Eigenarbeit im Artikel drin. Und wenn er nur umformuliert wird. Ich frage mich immer noch, warum den dann nicht der Name des Umfabulierers Online steht? Könnte natürlich auch sein, dass das nur Praktis machen. Und die dann nicht Online erscheinen dürfen. Wäre ja auch dumm, wenn sich die im Schwanzvergleich mit den gestandenen Redakteuren messen müssten…

7 Antworten zu “Die Jagd nach dem verschwundenen Namen”

Victor Brindisi meint:

So so, umschreiben nennen sie das bei SpOn. Wenn es keine Agenturmeldungen sind, was schreiben sie denn um, die Praktikanten?

Avatar Peter Giesecke meint:

Spiegel Online macht doch nur das, was andere - vor allem Zeitungen - auch machen. Bei einer redaktionellen Eigenleistung kommt der Name des Autors drunter (oder drüber), sonst nicht. Und sicherlich gibt es noch andere Quellen als nur Nachrichtenagenturen. Partnermedien (wie eben sid) und Redaktionsbüros. Im Neusprech heißen diese dann Vorredaktionen. Die liefern dann zwar einen in sich geschlossenen Text, auf den Stil der Redaktion, wo der Text veröffentlicht wird, muss das Ganze dann aber noch angepasst sind. Das erledigen dann sicherlich keine Praktikanten, sondern entweder Redakteure der zweiten Reihe oder der CvD.

Victor Brindisi meint:

Ach, dann war das ein CvD mit dem C&P aus der Wikipedia?

Avatar Peter Giesecke meint:

Oh ja. Ganz billig!

Fiete Stegers meint:

Halte dies für eine überflüssige Diskussion. In allen Medien ist es doch üblich, eigene Berichte aus verschiedenen Quellen zusammenzustellen: Mal intensiv recherchiert, mal nur die Quintessenz verschiedener Agenturmeldungen, die dann selbstverständlich nicht mit einem Namen ausgezeichnet wird. Was glaubt ihr, denn wie Radionachrichten entstehen? Oder wünscht ihr euch eher ein “fürs Web ediert von XY”, wenn XY nur den Einleitungssatz umgeschrieben und einen Absatz an eine Agentur angefügt hat?

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Durchaus, Fiete, aber was hindert denn daran, auch bei der Veröffentlichung von Agenturmeldungen den Namen des Umschreibers anzugeben? Und wenn eine Meldung denn dann komplett eine Agenturmeldung ist, dann sollte das eben auch angezeigt werden. So wie in der Zeitung, da steht ja dann auch (dpa) oder ähnliches vor dem Artikel. Zu schämen braucht man sich ja nicht dafür.

Avatar Peter Giesecke meint:

Bei Spiegel Online habe ich jetzt mehrmals ein “AFP” unter einer Meldung gefunden.

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