Die Apple-Supermaus. Oder: Was die Pressemitteilung hergibt
3. August 2005, 8.13 Uhr von Sven WagenhöferFür die Redakteursinfobeschaffung gibt es grundsätzlich zwei Wege. Zum einen die zündende Idee für den genialen Artikel. Der wird dann selbst recherchiert und kostet dementsprechend Zeit. Weniger aufwendig ist das Verwurschteln von Pressemitteilungen. Manche Redaktionen beschränken sich bei denen lediglich darauf, die Superlativen der Versender zu entfernen (und das nicht immer), andere nutzen die Mails als Grundlage für eigene Artikel. Meister im Superlative-Spicken ist Apple – denn die Produkte aus Cupertino sind immer die besten (natürlich!). Wir verfolgen exemplarisch, wie fünf deutsche Magazine mit der Apple-Mighty-Mouse-Ankündigung umgehen.

Quelle: Apple
Die Original-Pressemitteilung über die Maus mit dem Nippel flatterte schon heute Mittag um halb drei in meine persönliche Inbox – danach ging dann auch die Arbeit in den Redaktionen los. Die Akteure in der Reihenfolge ihres Auftretens: Golem (15:12), heise online (15:54), Spiegel Online (16:34), onlinekosten.de (17:46) und zuletzt die Gameseite Gamestar.de (17:56). Löblich auf den ersten Blick: Keine der Redaktionen hat die Meldung 1:1 kopiert – doch wie schaut es mit Textpassagen aus?
Den Kommentar vom Apple-Marketing-Menschen haben immerhin drei der Magazine übernommen – nur GameStar und heise ignorieren das Geschwafel. Wirklich interessant ist der (wahrscheinlich erfundene) O-Ton sowieso nicht – er gibt lediglich in einem Satz wieder, was die ganze Meldung vermitteln soll. Dass Apple nämlich die beste Maus aller Zeiten entwickelt hat. Typisches PR-BlaBla eben. Auch ansonsten hält man sich mit Textpassagen zurück – lediglich Spiegel und Golem übernehmen mit kleinen Änderungen den Text über die virtuellen Buttons – Golem sogar die “bzw.”-Abkürzung. Ein deutlicher Abzug bei der Stilnote! Das große Plus bei Golem ist eine Zusatzinformation, die keines der anderen Magazine hat: Die Maus soll auch noch einen Lautsprecher haben. Steht zumindest so nicht in der Pressemitteilung. Da hat Jens Ihlenfeld wohl noch mal selbst recherchiert.
Am meisten Mühe gegeben haben sich aber die beiden Andreas’ bei heise und Volker Briegleb auf onlinekosten.de. Denn bei beiden Magazinen wurden eigene Blöcke produziert, die über die eigentliche Info der Meldung hinausgehen. Die sind nicht nur gut zu lesen (und nur wegen so was lohnen sich auch mehrere Tekkie-Mags im RSS-Feed), sondern bringen auch noch einen Zusatzwert neben der eigentlichen Presseinfo. Genau, ein wenig Spaß beim Lesen. Und der ist doch – selbst bei allem Gerede von Informationsgesellschaft – das Wichtigste bei der ganzen Geschichte… oder?
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3. August 2005 um 16.52 Uhr
Oho, Herr Wagenhöfer, schön, dass Ihr Arbeitgeber unter denen ist, die sich “am mesiten Mühe gegeben” haben!