Virtuelles Saufen am Blogger-Stammtisch
6. August 2005, 16.56 Uhr von Sven WagenhöferWer heute etwas auf sich hält, der bloggt. Sagen zumindest die Statistiken der Blogosphäre - das am schnellsten wachsende Medium weltweit eben. Und wer bloggt, hat natürlich keine Zeit mehr für die Kneipe, Blogger sind ja sowieso krankhaft. Also landet im Blog die Meinung aus dem Schubladen-Denken, die bisher am Stammtisch mit den Saufkumpanen diskutiert wurde. Diese logische Argumentationskette legt Ingo Reichardt, CEO vom communication-college in einer großspurigen “Pressemeldung” an den Tag.

Quelle: PhotoCase.de
“Stammtische haben keine redaktionelle Kontrolle; Weblogs auch nicht. Von daher sind Weblogs die zeitadäquaten, deutschen Stammtische im 21. Jahrhundert”
Ingo Reichardt
So stellt sich der gute Herr CEO also die Blogosphäre vor. Lauter grölende Männer mit drei Bier (drei davon leer) vor sich auf dem Tisch, die auf BILD-Niveau kunterbunte Meinungen zum aktuellen Tagesgeschehen austauschen. Ja, bei den meisten Blogs geht es um Meinungen. Und ja, es gibt bestimmt auch solche, die eher an das unnütze Geschwafel eines Besoffenen erinnern. Die lassen die meisten Leser allerdings links liegen, und halten sich zumindest in Deutschland lieber an MagazineBlogs, die gut geschrieben sind und intelligente Inhalte bieten.
Ob es eine redaktionelle Kontrolle gibt, ist dabei eher zweitrangig. Denn die hat schon so manchen Jungredakteur auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und bestimmt auch die eine oder andere Meldung vor der Veröffentlichung kaputt korrigiert. Blogs machen Meinung, gerade weil sie es können - und dürfen.
Damit haben sie wieder eins gemeinsam mit dem Stammtisch. Denn sie sind wichtig in der modernen Medienlandschaft mit der Flut an gleichgeschalteten Informationen. Ebenso wie es der Stammtisch für freudige Promille-Diskussionen mit Freunden ist. Ich freue mich schon auf den nächsten. Denn Blog-Schreiben allein ist ja nur das halbe Leben.







6. August 2005 um 18.55 Uhr
*schieb dem Wagenhöfer ein Bier rüber*