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Schmidt vs. Jamba!. Oder: Kids sind keine Mozarts

16. August 2005, 2.12 Uhr von Sven Wagenhöfer

Handy-Klingeltöne sind fast so etwas wie Modeschmuck. Jeder meint, ein einzigartiges Armbändchen aus der Kaufhaus-Grabbeltheke abgestaubt zu haben, und doch entdeckt man bei der Café-Tischnachbarin das gleiche Stück um das zarte Handgelenk. Trotz Jamba! und anderen Tonfolgen-Zweitverwertern klingelt an jeder Ecke der gleiche Kurzmusikmüll aus den Lautsprechern der mobilen Telefone. Ob Renate Schmidt das monotone Gebimmel auch so auf den Senkel ging? Anscheinend, denn sie unterstützt jetzt das Selbermachen der lustigen kleinen Tonfolgen.

Jamba!
Quelle: Jamba!

Naja, vielleicht hatte die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auch andere Ziele. Denn so ein klein bisschen ziemlich böse ist bei Jamba! und Konsorten ja schon, dass sie Jugendliche mit deftigen Abo-Tricks an sich binden wollen. Die Folge: “Bereits zwölf Prozent der 13- bis 24-Jährigen hätten Schulden in einer durchschnittlichen Höhe von 1800 Euro”, wie heise das Szenario beschreibt.

Die Fakten stehen, und jetzt auch die Reaktion der BMFSFJ-Frau. Statt nämlich Jamba! so richtig in den Allerwertesten zu treten, will Frau Schmidt den kleinen Komponisten in den Jugendlichen fördern. Bis zu drei (huiuiui, so viele!) Klingeltöne können die Kids in Zusammenarbeit mit der Firma Magix auf der Seite netzcheckers.de selbst zusammenbasteln und auf ihr Handy laden.

Dass allerdings die wenigsten der kleinen Handy-Gören denn auch Mozarts, Grönemeyers oder Britneys sind, vergisst Frau Schmidt mal ganz geflissentlich. Spätestens auf dem Schulhof wird sich zeigen, dass die selbst komponierte Tonleiter-Folge weniger gut ankommt als der neuste Jamba!-Stöhne-Hit - wohl auch für die Senioren-Delegierte noch nachvollziehbar.

Klingeltöne selbst machen, das konnte mein uraltes Siemens C25 auch schon - wenn auch nur piepsig. Die meisten modernen Handys haben sogar schon Software dabei, mit der man sich Ringtones selbst basteln kann. Oder eben MP3s und MIDI-Stücke auf das Gerät pflastern. Warum macht das niemand? Klar, MP3s sind das “Große Böse” und die guten alten MIDI-Files bekommt man kaum mehr.

Vielleicht wäre das ja ein Weg für Renate Schmidt. Ein paar tausend MIDI-Songs, deren Copyright abgelaufen ist, auf die eigene Website packen und zum Download anbieten. Dann müssten die Kids nämlich nicht mehr zu Jamba! laufen, um neuen Stoff abzugraben. So könnten auch gute alte Volkslieder wieder in Mode kommen. Vielleicht gibt’s die dann auch bald auf dem Kaufhaus-Grabbeltisch. Als CD versteht sich. Oder als Klingelton im neuen High-Tech-Mode-Armbändchen?

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