Wer braucht schon den Verpackungsschrott?
18. August 2005, 9.14 Uhr von Sven WagenhöferDie ganzen “Umverpackungen” kann man ja inzwischen auch direkt im Supermarkt entsorgen. In den von Tante Emma bereitgestellten Mülltüten bleiben Gutzelpapiere, Pappverpackungen und Computerspielschachteln. Bald jedoch soll zumindest das Problem der Zocker-Umverpackung gelöst werden - denn mehr und mehr Spiele werden (zusätzlich) über das Internet vertrieben.

Quelle: Microsoft
Nachdem Valve mit der STEAM-Plattform (Half Life 2) schon den Vorreiter gemacht hat, will endlich auch Microsoft nachziehen und seine Spielekracher in Zukunft auch über das Internet vertreiben. Aber man wäre ja nicht Microsoft, wenn man der ganzen Hysterie um den neuen Vertriebskanal nicht eines draufsetzen könnte: Durch eine “spezielle Technik” soll man das Spiel schon anspielen können, wenn es noch gar nicht ganz auf der Platte gelandet ist.
Tolle Sache für Lahm-DSL-Nutzer, wirklich. Da kann man schon mal anfangen, Monster zu hetzen, während die Musik für den nächsten Level noch in der Warteschleife hängt. Dumm nur, wenn die Spiele das entweder nicht unterstützen oder wenn man eben schneller spielt als es die Internetverbindung zulässt. Da wären dann Wartezeiten vorprogrammiert. Dumm auch, dass Spieler, die ihre Originalsoftware aus dem Netz laden, wirklich einen Internetanschluss haben - und Microsoft das weiß. Man könnte ja die Zocker verpflichten das Game vor jeder Spiele-Session Online zu überprüfen und zu aktivieren - so wie es schon bei aktuellen Download-Only-Titeln wie den Addons zu Neverwinter Nights der Fall ist. Hallo, Microsoft, schon einmal an einen Netzausfall gedacht?
Ich will meinen Karton zurück!
Was passiert eigentlich mit Freaks wie mir, die ihren PC alle paar Monate neu aufsetzen? Beginnt dann die Download-Orgie von neuem? Kopien darf ich mir ja wohl nicht ziehen - denn die Spieledaten landen verschlüsselt auf der Festplatte. Wäre ja auch dumm, sonst könnten böse Spiele den Download ohne Zeitverlust in die nächste Peer-To-Peer-Plattform verschicken.
Ich frage mich allerdings, wo beim neuen Netz-Vertrieb der Kultfaktor bleibt. Auf meinem Computer-Regal sammeln sich gute alte Pappverpackungen. Die stehen wahrscheinlich auch in zehn Jahren noch da, seien es die von neueren Titeln wie “Age of Empires” oder eben Klassiker wie ein Amiga-”Civilization”. Und werden auch immer mal wieder in die Hand genommen, wenn ich einen der alten Titel erneut spielen will. Diese Erfahrung bliebe mir dann leider mit den neuen Hightech-Download-Games verwehrt. Schade eigentlich.







18. August 2005 um 13.06 Uhr
Das habe ich mir längst gedacht, dass der Wagenhöfer ein Messy ist. Alte Verpackungen im Regal sammeln, du weißt, worauf es ankommt? - Aus ökologischer Sicht ist es gar nicht mal so sinnvoll, alles aus dem Netz zu saugen. Das kostet schließlich auch Energie. In nicht zu vernachlässigender Menge. Und womit soll die Müllverbrennungsanlage dann schließlich gefüttert werden, wenn es keine Verpackungen mehr gibt? - Okay, ich merke es schon, in bewege mich hier auf dem Bundestagswahl-Argumentations-Niveau. Es wird Zeit, dass es Oktober wird.