IM-Overflow. Oder: Google sagt “Sprich mit mir”
24. August 2005, 9.41 Uhr von Sven WagenhöferGoogle everywhere. Aus der kleinen, putzigen Suchmaschine ist inzwischen ein weltweiter Dienstleister für (fast) alle Internet-Wünsche geworden. E-Mails, Newsübersichten, interaktive Landkarten, Newsgroups. Das alles und noch mehr findet man – vereint unter einer Oberfläche und bequem zugänglich mit nur einem Login – beim börsennotierten Google-Konglomerat. Neuester Tick der fleißigen Google-Programmierer: Schon wieder ein neuer Instant Messenger. Noch ein VoIP-Tool auf dem Markt. Es wird langsam voll auf der Platte.

Quelle: Google Talk
Die Mac-Nutzer haben ihren iChat, der AIM und ICQ versteht. Die Windows-User nutzen gerne den eingebauten MSN Messenger. Trotz der Sprach- und Videoübertragung des letzteren wird für sinnlose Audio-Brabbeleien dann noch Skype herangezogen. Und wer irgendwie alles zusammen haben will, setzt auf einen alternativen Client wie Miranda oder Trillian. Zu der schier unübersehbaren Anzahl an anderen proprietären Clients wie dem Yahoo-Messenger oder dem AIM-Programm kommen dann noch IRC, offene Protokolle wie Jabber und kleine Nutzlos-Anwendungen, die kaum jemand kennt. Und genau aus diesem Topf möchte jetzt auch Google dem Rahm abschöpfen.
Die Strategie dahinter ist Google-typisch. Statt auf ein eigenes Protokoll nutzt man Jabber. Das gibt ordentliche Pluspunkte bei den Verfechtern freier Software und ermöglicht auch die Plugin-Entwicklung für Miranda und Konsorten. Das Interface ist wie gewohnt schlank und aufgeräumt, das Zusammenspiel mit Google-Mail klappt perfekt, und man kann schnell und einfach neue User einladen. Die müssen sich natürlich auch einen Google-Benutzernamen zulegen – nur wer den hat, kommt in den elitären Club der G-Chatter. Wichtiges Goodie in der VoIP-Hype-Zeit: Nicht nur schreiben, sondern auch sprechen erlaubt die neue Google-Kreation.
Das einzige Problem: Google ist ein paar Jährchen zu spät dran. Wer ernsthaft Instant Messaging betreiben will, hat schon seit Jahren seine ICQ-Nummer. Wer frisch dabei ist und eher Computer-Neuling, wird sich an die Betriebssystem-Tools halten. Chatten, Mailen, Voipen mit nur einem Account bietet schließlich auch der MSN Messenger – und legt sogar noch eine Webcam-Funktion obendrauf. Auf dem Mac funktioniert Google Talk sowieso noch nicht – aber wer will dort das geliebte iChat aufgeben?
Was bleibt, ist ein nettes neues Spielzeug, das wieder die Platte zumüllt. Aber solange alle meine Google-Mail-Kontakte auch ICQ oder AIM benutzen, wird es wohl zumindest bei mir nur selten laufen. Höchstens als Viert-lufin unter Miranda. Der einzige Vorteil: Verschont bleibt der Nutzer bisher von Werbung jeglicher Art. Aber das an ein Gespräch angepasste Adsense-Advertisement könnte natürlich auch noch kommen. In den Google-Labs liegen sicherlich schon die ersten Pläne dafür. Dann wird Google-Talk wirklich interessant. Für die Werbetreibenden natürlich nur.
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24. August 2005 um 10.21 Uhr
talk.google.com funktioniert bestens mit ichat: siehe tree hugging pussy. bei mir läufts auch mit ichat. keine ahnung was ich damit machen soll. aber es läuft.