PRopaganda

PR-Spam. Oder: Wenn die Messe losgeht

30. August 2005, 23.37 Uhr von Sven Wagenhöfer

Messen sind im Journalistenalltag was ganz besonderes. Endlich kommt der Schreibtischarbeiter mal raus an die frische Hallenluft. Darf mit anderen Menschen direkt und nicht nur per Telefon oder E-Mail kommunizieren. Und kann sich auf Partys zusammen mit Messebunnys und Vorständen komplett gehen lassen. Dumm nur, wer daheim bleibt - denn den erschlägt die E-Mail-Masse. Und das ist dann ausnahmsweise kein Spam.

IFA 2005
Quelle: IFA

Nein, stinknormale Pressemitteilungen häufen sich urplötzlich im Postfach. Aktuell natürlich über die IFA - die ist ja schon bald. Denn auf der Messe will jeder glänzen - und hat natürlich die besten Produkte, deren Daten er unbedingt in die Welt hinausposaunen muss. Ob kleine Klitsche oder großer Moloch: Jede PR-Abteilung ist zu einer Messe in Hochstimmung.

Rausgehauen wird dabei was nur geht, seien es Produktmeldungen, kurze Interviewschnipsel oder ganze Pressemappen, die als Megabyte-Monster das Postfach zumüllen. Da ist dann vor allem Koordination gefragt. Denn schneller, als Kollege Messe-Läufer kucken kann, wird vom Heimarbeiter die Mail-Version der Pressekonferenz verarbeitet. Denn die ist meist schon sofort nach dem Ist-Langweilig-Aber-Man-Muss-Halt-Da-Sein-Get-Together verschickt. Dumm, wer dann noch auf der Messe einen Laptop sucht und nicht schnell genug geschrieben hat.

Für eins sind die Meldungen aber allemal wichtig. Um Kernthemen der Messe herauszukristallisieren. Also im Prinzip das, was gerade IN ist. Dieses Jahr zum Beispiel HDTV, das auf der IFA wieder gehypt werden soll und spätestens mit der WM auch bei Bauer Fritz Einzug halten wird. Das erspart dem findigen Redakteur schon ein bisschen Arbeit - da kann man einfach nach der Masse gehen. Sowohl der Masse der Konkurrenzmagazine als auch der Masse der Mitteilungs-Themen. Man ist ja schließlich auch bequem. Wer recherchiert denn heute auch noch selbst, und denkt sich die interessanten Themen selbst aus? Alles Anfänger, die das noch machen. Vor allem zur Messe.

6 Antworten zu “PR-Spam. Oder: Wenn die Messe losgeht”

Avatar Peter Giesecke meint:

Ich muss ganz ehrlich sagen: Die Pressekonferenzen auf Messen interessieren mich nicht die Bohne. Da bleibe ich lieber ein, zwei Tage daheim und greife die Pressemitteilungen auf, die zeitgleich zur Pressekonferenz versendet werden. Wichtiger finde ich die Gespräche am Stand, wo man dann doch das ein oder andere Bier trinken die eine oder andere Frage stellen kann, die der Kollege dann nicht auf seinem Zettelblock stehen hat. Wie auch immer: Die Mailflut zu Messezeiten ist beängstigend. Gut zusammen gefasst, Wagenhöfer. Hast endlich auch mal was sinnvolles gemacht.

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Immer gerne zu Diensten, lieber Giesecke. Pressekonferenzen können aber auch ganz lustig sein. Vor allem, wenn Kollegen dann Fragen stellen, die sie disqualifizieren. Vor zwei oder drei Jahren zum Beispiel auf einr eBay-PK. Fragt da doch glatt einer, ob eBay auch vor hat, nach Amerika zu expandieren. Sowas macht dann jede PK wieder besuchenswert.

Avatar Peter Giesecke meint:

Bei solchen Fragen habe ich wahrscheinlich schon längst am Buffet gestanden. Aber da kann man ja auch dich treffen, lieber Wagenhöfer. ;-)

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Kann man uns da nicht alle treffen? Also die komplette Grabbel-Journaille? Ist ja auch die einzige Möglichkeit, um die teuren Messe-Futter-Preise rumzukommen. Ja, auch Journalisten müssen sparen…

Avatar Peter Giesecke meint:

Und schon sind wir beim Thema angelangt: Journalisten und die Jagd nach Presserabatten. Ganz böses Thema. Deinen Presseausweis hast du, um einen Rechnerplatz im Pressezentrum zu ergattern, nicht um kostenlos Essen abzugreifen. Oder 15 Prozent Rabatt beim Autokauf. Du Online-Journalist.

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Nana, Giesecke, wer wird denn gleich so Rabiat werden? Nur weil sie dich mal wieder nicht ans Buffet gelasssen haben bei der CeBIT dieses Jahr? Oder hast du keine Platz im Rechenzentrum bekommen? Da braucht man auch ein gewisses Durchsetzugnsvermögen. Die ganzen anderen Kollegen einfach wegdrängen funktioniert ganz gut. Mit oder ohne Presseausweis.

Kommentar schreiben