Mattscheibe

TV-Duell: Deutschland braucht Elektroschocker!

4. September 2005, 22.58 Uhr von Sven Wagenhöfer

Heute Abend, kurz vor halb Neun, das TV-Duell. Merkel und Schröder, der Medienkanzler, reden gegeneinander - auf vier Sendeplätzen der großen deutschen TV-Anstalten gleichzeitig. Viel interessanter als das Politik-Blabla, das natürlich vorher einstudiert wurde und gerade aus Merkels Richtung auch oft so rüberkam, waren aber die Moderatoren. Allen voran Maybrit Illner, deren Zwischengebrabbel von Schröder und Merkel stellenweise schlichtweg ignoriert wurde.

TV-Duell
Das TV-Duell: Deutschland braucht Elektroschocker (Quelle: zdf.de)

Denn allzu oft war die Berlin-Mitte Lady nicht durchsetzungsfähig genug. Klöppel und Christiansen konnten allerdings auch nicht alle Rufe zur Ordnung durchsetzen - das Duell hätte auch ganz ohne Moderatoren wunderbar funktioniert. Die Alternative wären dann doch Elektroschocker - wenn ein Politiker nicht spurt, bekommt er einen großenkleinen Schlag.

Jeder der Moderatoren hätte dann zwei kleine Knöpfe vor sich, die natürlich schwarz und rot bemalt wären. Namen bräuchte man dann nicht, und das instinktive Drücken, wenn einer der beiden Spitzenpolitiker aus der Reihe tanzt, hätte bestimmt wunderbar funktioniert. Wenn sich einer nicht traut, dem Bundeskanzler eine reinzuwürgen, hätte es halt vorher ein paar Cocktails gegeben - saufen tun Journalisten eh gerne.

So wär Maybrit Illner zumindest nicht untergegangen - ob die Antworten dann besser gewesen wären, und den unentschlossenen Wählern weiter geholfen hätten, steht auf einem anderen Blatt. Aber dafür sind ja noch 14 Tage Zeit. Reicht locker! Und wenn nicht, und die Politiker nach der Wahl auch wieder Dünnpfiff reden, könnte man die Elektroschocker-Idee auch auf die Plenarsäle ausdehnen. Nur: Wer dürfte dann die Knöpfchen drücken? Maybrit Illner? Lieber nicht…

11 Antworten zu “TV-Duell: Deutschland braucht Elektroschocker!”

Avatar André Fiebig meint:

Der Link auf “das Merkel” ist doppelt vermischt - geht also nicht.

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Danke André - ist gefixt.

Avatar Peter Giesecke meint:

Was schießt du gegen Maybrit Illner? Sie war immerhin die einzige Frau vor der Kamera. Hmm, das war jetzt böse. - Themawechsel. Sehr schön übrigens, Kollege Wagenhöfer, wie du das Bild eines repräsentativen Journalismus zeichnest. Die Zuschauer in ihrer Gesamtheit sind der Souverän. Durch ihre Sehgewohnheiten überspringen einige TV-Sender die Quotenhürde, um eigene Fernsehmoderatoren in das Fernsehduellstudio entsenden zu dürfen. Diese drücken dann dort, stellvertretend für jeden Zuschauer, aufs Knöpfchen. Aber wehe den plebiszitären Forderungen, nach denen der Zuschauer per TED äh Premium-SMS selbst darüber abstimmen dürfen, wer den Stromschlag erhält. Dann müssten die Sender ihre Moderatoren (zumindest einige von ihnen) als Produktmanager in die 0900-Dialer-Tochterfirmen versetzen. Das wäre dann wo eine Art New Economy der TV-Landschaft. Ich rolle schon mal lieber den Schlafsack zusammen.

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Sitzen die da nicht längst, lieber Giesecke? Oder eher bei den 0137-Töchtern, die auch ordentlich Geld in die Senderkassen spülen. Können wir über die Nummern nicht gleich per TED den Wahlkampf entscheiden lassen? Dann wäre auch die Rentenkasse gleich wieder gedeckt.

Avatar Peter Giesecke meint:

0900-Dialer und 0137 - ist doch alles das Gleiche. Mehrwertdienste halt. — Guter Ansatz, Wagenhöfer. Die Wahlbenachrichtigung kommt per SMS, und die SIM-Karte funktioniert als Personalausweis. Otto Schily überwacht dann, dass niemand, der mehrere Handys besitzt, auch mehrmals abstimmt. Fertig ist der Bundestagswahl-TED. Und wenn meine Freundin dann am Wahlsonntag morgens im Bad weilt, schnapp ich mir ihr Handy. Geheim ist die Wahl dann nur noch, weil sie nicht weiß, was ich für sie gewählt habe. Schöne neue Welt? Keineswegs. Wenn Vatter der Oma die Briefwahlunterlagen ausfüllt, ist dies auch nichts anderes. Ich glaube, der TED ist doch keine so gute Idee.

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Ach Giesecke, man muss eben mit der Zeit gehen. Wahlkampf im Dschungelcamp oder sowas. Politiker streiten sich um Ministerposten in der Ritterburg. Das macht die Jugend an. Dann gehen die auch wieder wählen. Vielleicht gibt’s dann bald auch den offiziellen Jamba-Klingelton zur Wahl?

Avatar Peter Giesecke meint:

Ich bin gespannt, ob die CDU sich in vier (oder drei?) Jahren nochmals auf ein TV-Duell einlassen wird. Vielleicht hört dann der neumodische Jambacamp-Qatsch endlich auf, und Wahlkampf wird wieder wie eh und je gemacht.

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Ach, Propaganda wollte schon immer mit den neuesten Mitteln und Massenmedien gehen. Das machen die Politiker doch seit Jahrhunderten so.

Avatar Peter Giesecke meint:

Die neue Erkenntnis kann aber auch sein, dass die alte Methode besser ist. Was dann?

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Na, dann muss eben die nächste Politikergeneration ran. Die dann wieder auf die alten Methoden setzt. So ganz ohne Internetpropaganda zum Beispiel. Ich würde sie wählen - wenn denn die Inhalte stimmen…

Avatar Peter Giesecke meint:

Einen Generationenwechsel wird die kommende Wahl auf jeden Fall bringen. Die CDU tritt schon mit jüngeren Leuten an, und einige der 68er von Rot-Grün werden nach einer Wahl von Gabriel, Nahles & Co ersetzt werden. Ob deren Politikstil anders oder sogar besser sein wird, das warten wir mal ab. Wie so oft bei einer neuen Technik (auch einer neuen Kommunikationstechnik) wird erst einmal mit Trial-and-Error experimentiert. Was sich dort bewährt, setzt sich auch auf Dauer durch. Aufgesetzte Wahlblogs werden wohl nicht dazu gehören, aber wohl doch Blogs aus dem Umfeld der Politikstars - so, wie es Howard Deans Internetkampagne bereits vorgemacht hat.

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