Komm zur Sache, Baby!
8. September 2005, 23.08 Uhr von Sven WagenhöferEs gibt da so gewisse Grundregeln, wenn man einen journalistischen Text veröffentlichen will. Dass nämlich zumindest die Überschrift oder der erste Absatz dem Leser klarmachen sollen, was man mit dem folgenden Gebrabbel aussagen will. Ich hab das vor ein paar Jahren von Kollege Giesecke gelernt – Wolf-Dieter Roth von Telepolis könnte aber ab und an noch ein paar Nachhilfestunden in Sachen Aussagekraft vertragen.

Ilja Rogoff bei Telepolis (Quelle: Telepolis)
Vor allem bei Online-Texten zählen die Überschrift und der Teaser mehr als in Print-Magazinen. Denn nur wenn die Überschrift interessant klingt oder alternativ mehrmals die Worte “Porno”, “Sex” oder “Titten” enthält, wird geklickt. Doch auch der Text sollte irgendwann auf den Punkt kommen.
Von Roths neuestem Stück Vorsicht, “Rentner” im Netz sollte man allerdings nicht wirklich abkucken. Denn erst nach viel allgemeinem BlaBla über Rentner, die kleine Jungs beim heimlichen Onanieren beobachten und das ganze dann der Mami melden, um ihre Rente mit Schweigegeld aufzubessern (oder so ähnlich), kommt Roth zum eigentlichen Punkt der Geschichte.
Diese Rentner sind nämlich auch schon im Internet unterwegs. Und überwachen da auch alles. Und werden auch vom Staat dafür bezahlt. Huh? Hab ich da was verpasst? Sind die üblichen Trolle im heise-Forum etwa Opa Heinz und Oma Gertrud von Gegenüber? Was genau uns Roth nämlich mit seiner Geschichte vom Knoblauch-Mann Ilja Rogoff sagen will, bleibt mir zumindest verborgen. Oder – viel wichtiger – was man denn dagegen unternehmen kann, wenn akute Gefahr einer Veralterung besteht.
So bleibt vom Artikel nichts weiter als durchaus amüsanter, aber relativ inhaltsloser Lesestoff für Zwischendurch. Achso, so eine Aussage hätte vielleicht in den ersten Satz gehört. Hat mir zumindest auch mal Giesecke beigebracht. Aber der muss ja auch nicht alles besser wissen. Gehört ja auch fast zur Knoblauch-Pillen-Fraktion.
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12. September 2005 um 10.08 Uhr
Man kann auch ohne Pillen alt werden. Ilja Rogoff ist aber zumindest beim männlichen Altenteil aus der Mode gekommen. Glaube ich. Dort wirft man sich jetzt blaue Dinger ein. Dann muss man auch nicht kleinen Junges beim Onanieren zuschauen, sondern kann die Sache selbst in die Hand nehmen. Ist jetzt nicht wörtlich gemeint. Manche Altbackenen sollen ja wirklich schon im Internet präsent sein. Und dort auch Texte veröffentlichen … aber das hat der Wagehöfer ja alles schon geschrieben.