Pedanten-Wahlkampf. Brauchen wir das?
9. September 2005, 23.49 Uhr von Sven WagenhöferIm Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt. Im Wahlkampf anscheinend auch. Denn da wird - mehr als sonst im Politikalltag - jedes Mittel genutzt, um den Gegnern eins auszuwischen. Da wird auf jedes kleine Wort geachtet: Kurz mal einen freudschen Versprecher aufs Parkett gelegt, und schon steht es am nächsten Morgen in den Boulevardblättern. Just auch gesehen im zweiten Fernsehduell, das sich an einem Merkelschen Versprecher aufhängt.

Kan Di Dat fragt das zweite Fernsehduell (Quelle: zweitesduell.de)
“… aus Gründen Rot-Grüner-Handlungsfähigkeit…” sagt da die Kanzlerkandidatin. Eigentlich wollte sie Handlungsunfähigkeit sagen. Na, wenn das mal nicht ein politischer Faux-Pas sondergleichen ist! Ein Fehler, der die Welt untergehen lässt. Eine Worthülse, bei der sich sämtlichen alten Bundeskanzler im Grab umdrehen. “Kan Di Dat?” fragt dann auch sogleich der Spot - welch Wortspiel sondergleichen.
Initiator der kleinen Kampagne ist Publizist Manfred Bissinger - ehemaliger Herausgeber der Zeitung “Die Woche” und heute Geschäftsführer von “Hoffmann und Campe Corporate Publishing” in Hamburg. Und oh Wunder, ist da doch eines seiner Bücher erschienen. “Schröder oder Merkel” nennt sich das Werk, in dem Bissinger (auf Schröders Seite) und Hugo Müller-Vogg (als Merkel-Versteher) schnelle Wahlhilfe geben wollen.
Aber zurück zum Spot. Auch wenn er nett gemacht ist, wirft er doch eher ein schlechtes Licht auf seinen Herausgeber als auf Merkel. Zumindest geht es mir so. Denn lieber setze ich mich mit Inhalten auseinander, als mit den Sprachleistungen der Galionsfiguren. Denn nur, was wirklich an Plänen hinter den Kandidaten steht, zählt. Falls ich mal ein Buch von Bissinger lesen sollte, werde ich das aber ganz genau tun. Denn da findet sich bestimmt auch ein Typo. Oder eine Formulierung, die nicht ganz perfekt ist. Ich kann nämlich auch Flash…






