Spon und Spott

Spiegel Online: Rot-Rot-Schwarz

15. September 2005, 18.04 Uhr von Sven Wagenhöfer

Immer noch unentschlossen, wo am Sonntag das Kreuzchen auf dem Wahlzettel landen soll? Kein Problem, dafür gibt es ja Wahlwerbung. Spots im Fernsehen, diffamierende Anti-Kampagnen, große Plakatwände, sinnlose TV-Duelle. Und natürlich die Webwerbung. Wobei die manchmal mehr verwirrt als hilft - vor allem bei der Lektüre des SpOn Politik-Ressorts. Da wird nicht gegeizt und gleich drei große Parteien finden ihr Plätzchen.

Spiegel Online: Rot-Rot-Schwarz
Spiegel Online: Rot-Rot-Schwarz

Irgendwie ist es erheiternd, gleich drei Kampagnen (SPD, CDU, Die Linke) nebeneinander auf einer kommerziellen Seite zu sehen. Denn nicht nur zeigt es deutlich, wohin auch noch so kurz vor der Wahl die Gelder fließen, sondern erleichtert den Vergleich der unterschiedlichen Herangehensweisen ans Wählervolk. Und hilft damit doch irgendwie bei der Wahlentscheidung.

Spiegel Online: Rot-Rot-Schwarz Während nämlich die SPD deutlich weiter an Ihrer Anti-Kampagne (Von wem werden Sie lieber geschröpft - Sie zahlen drauf mit Merkel-Merz und Kirchhof-Kahlschlag) arbeitet, wollen CDU und die Linke mit Inhalten punkten. Die Alternativ-Roten dabei altbekannt plakativ (Dafür stehen wir - Frieden - Mindestlohn…), die schwarzen Christdemokraten dagegen eher subtil und fragend (Was bringt die CDU bei …. - Die Antworten gibt’s auf www.cdu.de).

Eigentlicher Gewinner ist aber des Spiegels Anzeigenabteilung. Denn die freut sich gleich über die Vermarktung von einem teuren In-Text-Ad und zwei Werbeblöcken auf der Seitenleiste. Da fällt es kaum auf, dass “außenrum” noch ein Banner der Deutschen Post prangt. Zusammen mit den “Surftipps” im Footer jeder Spiegel-Seite gleich fünf Anzeigen, die Gelder in die Kassen des Onlinemagazins spülen.

Fehlen eigentlich nur noch die Grünen und die FDP. Wobei, dann hätte der eigentliche Inhalt ja weniger Platz. Aber wen stört’s - am nächsten Montag ist der ganze Spuk sowieso vorbei. Solange können auch die Leser noch mehr Blinkebanner ertragen. Oder?

4 Antworten zu “Spiegel Online: Rot-Rot-Schwarz”

Avatar Peter Giesecke meint:

Man könnte auch mal errechnen, wieviel Prozent des Screenshots Text und wieviel Prozent Werbung sind. Ich glaube nicht, dass SpOn dies bei anderen Magazinen durchgehen ließe.

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Gesagt, getan, Giesecke. Von den insgesamt 817445 Pixeln bleiben noch rund 558100 übrig, wenn man die Post-Werbung abzieht - die kleinen gelben Stellen mal weggerechnet. Nach Abzug der Partei-Ads sind es gerade nochmal 317200 Pixel. Also gerade mal 38 Prozent der Gesamtfläche - Oder 56 Prozent der Nach-Post-Fläche. Davon ist noch genug Weissraum. Wieviel Text auf der Seite also drauf ist, kann sich jeder selbst zusammenreimen…

Henryk Gerlach meint:

Dank Adblock ist der Spiegel bei mir ziemlich werbefrei. Dabei bin ich gar kein aus-Prinzip-Adblocker. Leute wie Sven und Peter müssen ja auch von was leben. Ich blende Werbeeinblendugen mühsam per Hand aus, wenn
- unangenehm im Text den Lesefluss stören
- sie unangenehm blinken
- oder ihr inhalt mich ärgert
Der polemische SPD-Spot im obigen Screenshot erfüllt alle drei Kriterien.

Wohl dem der, der Einblendungen der obigen Art auf einem seperaten Server laufen läßt, denn harmlose Top-Banner lasse ich meistens stehen und meistens lese ich sie sogar. Draufklicken tue ich aber wirklich nur, wenn es mich interessiert.

Mfg,
Henryk Gerlach

Avatar Peter Giesecke meint:

Per Hand ausblenden, auch eine Idee. Bisher kannte ich nur Leute, die generell blocken oder eben drüber hinwegsehen.

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