Ich will wieder Kalif werden…
20. September 2005, 1.23 Uhr von Sven Wagenhöfer… anstelle der neuen Kalifin. Na, kennen Sie noch Isnogud? Genau, den Großwesir aus den Comics von Tabary. Der, der immer Kalif anstelle des Kalifen werden wollte. Und das in zahlreichen Strips auch (erfolglos) mit allen Mitten versuchte. Aber sich natürlich auch durch Rückschläge von seinem Ziel nicht abbringen lies. An den erinnerte mich nach der Wahl irgendwie der Noch-Bundeskanzler.

Isnogud will und kann auch nicht (Bild: Tabary)
Denn der will Partout nicht von seinem Kanzleramt loslassen. Will weiter auf seinem Kamikaze-Kurs fortfahren. Ja, Schröder schafft es, sich gut zu verkaufen. Sich selbst als Sieger der Wahl hinzustellen, die eigentlich keine Sieger kannte. Denn weder CDU/CSU noch SPD haben einen eindeutigen Regierungsauftrag - so das Lieblingswort von Angela Merkel bei der Elefantenrunde - erhalten. Denn mit etwas über einem Drittel der (wählenden) Bevölkerung kann kein Lager davon sprechen, dass die Masse der Bevölkerung mitgerissen wurde.
Und wer hat das gute Los gezogen und ist der eigentliche Gewinner der Wahl? Die Presse natürlich. Denn wäre das Ergebnis klar für Union oder für die SPD ausgefallen, könnte man sich nicht den Mund fusslig schreiben über Kanzler-Kriege oder eventuelle Koalitionen. Und weil es die ganze Bevölkerung betrifft, liest auch noch jeder mit. Gerade im Online-Bereich kann man so den Newsticker problemlos vollstopfen - und die Klicks in die Höhe treiben.
Und auch egal, was jetzt auf uns zukommt, sei es die große Koalition, eine der anderen denkbaren Partnerschaften oder Neuwahlen, die Presse gewinnt wieder. Denn längst ist aus einer Politik, in der eigentlich der Wille und das Wohlergehen des Bürgers im Vordergrund stehen sollten, eine große Personalshow geworden, über die sich ideal berichten lässt. In jedem Ressort, sei es nun eine ernsthafte Zusammenfassung oder ein Boulevardartikel.
Ob liberal, bürgerlich, kämpferisch oder sozial, jeder will ein Stückchen vom Machtkuchen abhaben. Wie Isnogud eben. Der wurde aber nach 24 Bänden auch eingestellt, um neuen, jüngeren, moderneren Figuren Platz zu machen. Na, klingelt’s?





