Mein Freund der RSS-Feed
21. September 2005, 23.28 Uhr von Sven WagenhöferWenn ein Magazin keinen RSS-Feed anbietet, verschwindet es sofort wieder aus meinem Kopfkino. Ich habe mich inzwischen an das Lesen per Newsliste gewöhnt - und will nicht mehr direkt auf zig Seiten surfen, um Headlines zu scannen. Doch nicht nur Benutzer wie ich profitieren von RSS, sondern auch die Webseiten selbst - sagt zumindest eine aktuelle Studie von Nielsen/Netratings.

Ersetzt RSS auch bald den Zeitungsstapel? (Bild: StockExchange)
Die Vorteile von RSS sind schnell erklärt. An einer zentralen Stelle werden die persönlich bevorzugten Highlights gesammelt. Sei es nun in einem Webreader oder lokal auf der Platte - statt jede wichtige Seite einzeln anzutingeln, bekommt man den direkten Überblick. Zudem haben die meisten Reader auch noch eine Suche oder Sortierfunktion integriert - praktisch.
Wieso die Nielsen-Studie dazu kommt, dass RSS-Junkies auch vermehrt auf die Seiten klicken, ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich - sogar eher verwirrend. Hier wäre ein wenig mehr Aufklärung angebracht. Das “Warum?” hinter den Aussagen fehlt leider wie so oft bei Untersuchungen in der populären Web-Szene.
Dann versuchen wir es einfach mal. Ganz klar: Scannt man bequem abends im Sofa oder in der Mittagspause die Headlines, hat man viel eher Lust, sich durchzuklicken. Und gerade große Magazine führen nur einen kleinen Auszug im RSS-Feed - ein Besuch auf der Seite (passiert in meinem Reader automatisch…) wird also dennoch durchgeführt.
Auch die Textwüste des Readers stört - kein Layout, keine weiterführenden Links, keine Verknüpfung mit älteren Artikeln. Da ist das Lesen direkt auf der Seite schon angenehmer. Zwar blinken da dann Werbebanner, aber die gibt’s ja auch im RSS-Feed schon bald.
Alles in allem bleibt RSS eben doch nicht mehr als ein Protokoll, das die Übersicht erhöht - aber den Klick auf die Seite dann doch nicht verhindern kann. Und zusätzlich eine Anwendung, für die dringend ein griffiger Name gefunden werden sollte. Denn dass die meisten RSS-Nutzer gar nicht wissen, wie die Technik dahinter heißt (und dass es sie wahrscheinlich auch nicht interessiert), hat Nielsen/Netratings auch rausgefunden. Und dass sich Otto-Normalsurfer unter “RSS/XML” nichts vorstellen kann, sagt der gesunde Menschenverstand.







22. September 2005 um 20.38 Uhr
Heißt es nicht DAS Feed?