Abriss. Oder: Weg mit den Politikerfratzen
25. September 2005, 23.45 Uhr von Sven WagenhöferJeden Morgen das Gleiche. Auf dem Weg zur Arbeit fahre ich an zig Großplakaten vorbei, direkt an der Auffahrt zur Autobahn starren mich Schröder und Merkel gleichzeitig mit gekünsteltem Polit-Grinsen aus porentief retuschierten Wahl-Fotos an. Klar, während der Wahl wichtig, auch wenn es meine Entscheidung nicht beeinflusst hat. Aber jetzt ist doch langsam mal genug, ich kann sie bald nicht mehr sehen, die Politikerfratzen.

Kann der Bagger nicht mal bei den Wahlplakaten vorbeifahren? (Bild: StockExchange)
Da freut man sich auf den Wahlsonntag, weil danach alles wieder (fast) seinen normalen Gang gehen sollte. Noch ein paar Wochen Koalitionsblabla bis Merkel und Schröder zurücktreten und damit den Weg zu einer großen Koalition freimachen, und dann wieder Business as Usual. Warum stehen denn dann noch die Werbeflächen der Parteien?
Zumal hier nicht Dresden ist, wo ja das ein oder andere Lokalklebebild noch den Wähler beeinflussen darf. Oder planen die Parteien schon längst eine Neuwahl und wollen den Lohn für die Hilfsplakatkleber und erneute Druckkosten sparen? Das wäre ja zumindest löblich - denn das Werbebudget könnte man für andere Sachen sicher sinnvoller verwenden. Zumindest für eine Abrissfirma. Damit ich morgens auch wieder friedlich zur Arbeit fahren kann.






26. September 2005 um 09.11 Uhr
Du vergisst, lieber Wagenhöfer, dass Angie und Gerd nicht persönlich in deinem verschlafenen Kaff vorbeikommen, um die Schilder abzumontieren. Dafür ist die lokale Politprominenz zuständig. Und wenn du dich daran erinnerst, welche Opas dich vor dem Supermarkt genervert haben, kannst du dir vorstellen, wie sie - wahlweise in Trachtenjankerl oder Arbeiterjoppe - mit ihren Gichtfingern kaum den Schraubendreher halten können.