PRopaganda

Abriss. Oder: Weg mit den Politikerfratzen

25. September 2005, 23.45 Uhr von Sven Wagenhöfer

Jeden Morgen das Gleiche. Auf dem Weg zur Arbeit fahre ich an zig Großplakaten vorbei, direkt an der Auffahrt zur Autobahn starren mich Schröder und Merkel gleichzeitig mit gekünsteltem Polit-Grinsen aus porentief retuschierten Wahl-Fotos an. Klar, während der Wahl wichtig, auch wenn es meine Entscheidung nicht beeinflusst hat. Aber jetzt ist doch langsam mal genug, ich kann sie bald nicht mehr sehen, die Politikerfratzen.

Kann der Bagger nicht mal bei den Wahlplakaten vorbeifahren
Kann der Bagger nicht mal bei den Wahlplakaten vorbeifahren? (Bild: StockExchange)

Da freut man sich auf den Wahlsonntag, weil danach alles wieder (fast) seinen normalen Gang gehen sollte. Noch ein paar Wochen Koalitionsblabla bis Merkel und Schröder zurücktreten und damit den Weg zu einer großen Koalition freimachen, und dann wieder Business as Usual. Warum stehen denn dann noch die Werbeflächen der Parteien?

Zumal hier nicht Dresden ist, wo ja das ein oder andere Lokalklebebild noch den Wähler beeinflussen darf. Oder planen die Parteien schon längst eine Neuwahl und wollen den Lohn für die Hilfsplakatkleber und erneute Druckkosten sparen? Das wäre ja zumindest löblich - denn das Werbebudget könnte man für andere Sachen sicher sinnvoller verwenden. Zumindest für eine Abrissfirma. Damit ich morgens auch wieder friedlich zur Arbeit fahren kann.

5 Antworten zu “Abriss. Oder: Weg mit den Politikerfratzen”

Avatar Peter Giesecke meint:

Du vergisst, lieber Wagenhöfer, dass Angie und Gerd nicht persönlich in deinem verschlafenen Kaff vorbeikommen, um die Schilder abzumontieren. Dafür ist die lokale Politprominenz zuständig. Und wenn du dich daran erinnerst, welche Opas dich vor dem Supermarkt genervert haben, kannst du dir vorstellen, wie sie - wahlweise in Trachtenjankerl oder Arbeiterjoppe - mit ihren Gichtfingern kaum den Schraubendreher halten können.

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Tja, Giesecke, dann bleibt mir eigentlich nur noch zu hoffen, dass du mich nicht auch in 5 Jahren vor dem Supermarkt mit Wahlwerbung überraschst. Dann lieber mit einem Fläschchen Wein. Einem guten. Aber das bekommt man ja nicht im Supermarkt. Warum gibt’s eigentlich keine Wahlveranstaltungen beim Winzer? Da würde ich hingehen!

Avatar Peter Giesecke meint:

In fünf Jahren? Keine Chance! Vor 10 Jahren habe ich des öfteren in der Fußgängerzone von Bad Godesberg gestanden und parteipolitische Handzettel verteilt. Einmal stand sogar Guido W. am Nachbarstand. Recht allein. - Das ist auch der Grund, warum du dir die Abrissbirne herbeisehnst. Wenn die Parteifreunde von Guido W. ihm nicht einmal im Wahlkampf helfen, wer soll dann anschließend die Pappschilder mit seinem Konterfei abbauen? - Wein statt Bier? Wahlkampf beim Winzer? Dann empfehle ich dir eine Parteiveranstaltung der CDU an der Ahr. Wann wird in Rheinland-Pfalz eigentlich wieder gewählt?

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Eine gute Frage, Giesecke. Wahrscheinlich dann, wenn der Spiegel darüber berichtet. So können sich auch die Politiker den Terminkalender sparen. Pressespiegel reicht. Schröder meinte ja auch bei der Elefantenrunde, er würde alle Zeitungen lesen. Auch online?

Avatar Peter Giesecke meint:

Der Kanzler hatte an dem Abend so die Hosen voll (auf der Vorderseite wohlgemerkt), dass er alles konnte. Sogar über Wasser laufen, wie einer seiner Genossen später meinte. Tatsächlich wird er wohl nur die üblichen Presseschnipsel vorgelegt bekommen und höchstens am Wochenende mal eine Zeitung selbst in die Hand nehmen. Wie kamen wir jetzt darauf, Wagenhöfer?

Kommentar schreiben