Nimm dein Geld, du Giergeier!
8. Oktober 2005, 23.28 Uhr von Sven WagenhöferTja, so schön wär’s gewesen. Da malocht man für den Branchenriesen Electronic Arts massig Überstunden und sorgt dafür, dass die Firma zum Giganten im Unterhaltungsbusiness aufsteigt. Und wenn die Firma nicht zahlen will, wird einfach geklagt. Dumm nur, dass EA die Mitarbeiter dann doch um die Kohle prellt. Nein, nicht mit Anwälten, sondern mit der Moralkeule.

Was von den Überstunden übrig blieb… (Bild: StockExchange)
15,6 Millionen Dollar muss EA nachzahlen - da dürften sich die Mitarbeiter erst mal gefreut haben. Auch wenn wahrscheinlich wieder ein Großteil des Geldes an die Anwälte gehen wird (sind die nicht irgendwie immer die Sieger?), könnte sich dann doch der eine oder andere arme Coder den Jahresurlaub leisten.
Aber wer das Geld nimmt, ist eigentlich eine ziemliche Sau. Denn EA verkauft das ganze wirklich geschickt: Jeder Dollar, der nicht angenommen wird, fließt in die Jackie-Robinson-Stiftung, die Stipendien finanziert. Was jetzt, wenn sich ein Mitglied einer “ethnischen Minderheit” (wie zum Beispiel netzausfall-Schreiberlinge), kein Studium leisten kann, nur weil Onkel Otto doch seine Überstunden ausbezahlt haben will?
Da schnallt der gute Amerikaner natürlich mal seinen Gürtel enger und lebt ein paar Wochen nur von Wasser und Brot. Wie würde das auch aussehen, wenn alle Kollegen auf die Kohle verzichten, und man selbst mit einem neuen Benzinfresser auf dem Firmenparkplatz steht?
Geschickt gespielt von EA - die nervigen Mitarbeiter nehmen freiwillig nichts, und die Firma steht noch als Spenden-Mutti mit weißer Weste da. Wie wär’s EA - wollen wir das nicht auch mal bei den Gehältern der Top-Manager einführen? Jeder Dollar, der nicht im Säckel landet, geht an eine AIDS-Stiftung. Viel rüberkommen wird wohl nicht dabei. Aber ein Anfang wär’s zumindest.





