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Die Flatrate-Namensverwirrung

3. November 2005, 12.15 Uhr von Sven Wagenhöfer

Hersteller versuchen immer, ihr Produkt ins beste Licht zu stellen. Das fängt bei der Pressemitteilung, die im Regelfall mit Lobeshymnen gespickt ist, an. Viel wichtiger als diese, werden sie doch von den meisten Journalisten schnell wieder herausgeschrieben, ist jedoch ein guter Name. Einer, der schnell von der Kundschaft aufgenommen wird, das Produkt blendend und eindeutig beschreibt - und natürlich auch dessen positiven Aspekte hervorhebt. Was macht nun aber der arme Schreiberling, wenn der Produktname nicht wirklich hält was er verspricht?

Gummibärchen, da weiß jeder wie sie heißen
Gummibärchen, da weiß jeder wie sie heißen (Bild: stock.xchng)

Bei Eigennamen und erfundenen Begriffen ist das wirklich einfach - dann kann man nämlich beim Artikelschreiben einfach übernehmen und muss sich keine weiteren Gedanken machen. Wenn allerdings ein Allerweltswort einfließt, das auch bei anderen Artikeln in Gebrauch ist, wird es manchmal schwieriger. Denn nicht immer informiert der Name auch den Leser - und klärt ihn über die versteckten Hintertürchen auf.

Bestes Beispiel ist der Markt für Internet-Zugänge. Vor der Einführung von Breitbandanschlüssen stand dort ein Name auch für einen Zugang: Call by Call (Berechnung pro Einwahl) und Flatrates (einmaliges monatliches Entgelt) teilten sich den Markt auf. Dann kam DSL. Und damit die Flatrate-Namensverwirrung.

Neben den klassischen Pauschalzugängen existieren hier nämlich noch weitere Tarifstrukturen auf dem Markt. Alles Quasi-Flatrates, die gerne auch so beworben werden, aber eben Einschränkungen wie Volumenlimit oder Bandbreitensperre mitbringen. In so einer Situation ist Kreativität gefragt - nicht nur von den Herstellern, sondern auch von den Journalisten. So entstehen dann abenteuerliche Wortkonstruktionen wie eine “Volumenrate” oder die “Gamersflat”.

Neuester Streich: Eine Download-Flatrate. Da steckt wieder das Werbewirksame Wort “Flatrate” drin, auch die eigentliche Produktbezeichnung “Zero Flat” und der Preis von 0 Euro machen den Tarif interessant. Nur zu gebrauchen ist er eben nicht, vor allem nicht zu Zeiten, in denen deutschlandweite “echte” Flatrates für 10 Euro monatlich zu haben sind. Mein Namensvorschlag daher: Unterscheidet nur zwischen “Flatrates” und “Die anderen Tarife, die keiner mehr braucht”. Damit wäre der Leser richtig informiert - und die Flatrate-Namensverwirrung endlich aufgelöst.

8 Antworten zu “Die Flatrate-Namensverwirrung”

Michael Müller meint:

Im Fazit machst du dir es ein wenig zu einfach, wie ich finde. Auch Volumen- und Zeittarife haben ihre Daseinsberechtigung ;)

Avatar Peter Giesecke meint:

Naja, da der DSL-Anschluss allein schon mindestens 17 Euro kostet, kann man auch die zwei, drei Euro noch ausgeben, um vom Volumentarif auf eine Flatrate aufzusatteln. So billig, wie die geworden sind.

Michael Müller meint:

Nicht, wenn man jeden Monat weiß, wie viel Traffic man generiert. Zum Vergleich: 10.000 MB gibt es jetzt schon unter acht Euro, Tarife mit weniger Volumen sogar für noch weniger Euros. Und das ohne Anschlusswechsel (zu Resale). Eine günstige Flatrate gibt es nämlich nur, wenn du auch die Breitbandleitung umziehst.

Michael Müller meint:

… selbst wenn du dich damit zufrieden gibst, den T-DSL-Anschluss in Resale umzuwandeln: beim völligen Ausreizen der Leitung, dem “Flatrate-beim-Namen-nehmen”, droht vielerorts eine Kündigung. Und schon fängt das Spiel von vorne an.

Womit der Begriff “Flatrate” seitens der Providerwelt schon wieder abstrahiert, gedreht und geschüttelt wurde.

Avatar Peter Giesecke meint:

Der Kunde weiß aber, dass Flatrate nicht bedeutet, dass man jeden Monat bis zum Anschlag saugen kann. Es ist typisch deutsch, sich an einer solchen Begriffsdefinition festzuhalten. Eine Flat ist für den Provider immer eine Mischkalkulation, dementsprechend muss man sich auch an die Spielregeln halten. Das Problem dabei ist nur, dass bei so Fuzzianbieter wie justDSL nicht auf den ersten Blick klar ist, wie die Spielregeln genau aussehen.

Die Frage ist doch letztlich, kann ich das mit dem Tarif machen, was ich konkret vorhabe? Und was zahle ich dafür? Da habe ich nun eine Flat für monatlich 4,99 Euro und weiß, dass irgendwo oberhalb von 20, 30, 50 oder mehr GB regelmäßigem monatlichem Surfvergnügen der Provider ankommt und mit einer Ausstiegsprämie wedelt. Das schaffe ich mein Lebtag nicht. Aber auch da muss man die Relationen im Blick behalten. 1&1 hat laut aktueller Werbung 1,5 Mio. DSL-Kunden. Wieviele Leute wurden per Prämie aus dem Vertrag gedrängt? Ich glaube nicht, dass es mehr als hundert sind. Das wären dann 0,007 Prozent. Lohnt sich dafür das ganze Geschrei?

Noch zu den Flat-Preisen: Congster hatte jetzt mehrmals Aktionen mit einer 7-Euro-Flat ohne Resale-Anschluss. Die wird bestimmt zu Weihnachten wiederkommen. Bundesweit! Meine 5 Euro zahle ich zugegeben auch nur, weil ich eine City-Flat habe.

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

10 Euro ohne Anschlusswechsel bei Congster - das zahle ich. Und das ist mir die Flatrate auch wert. Auch wenn mein Vater noch nicht mal seine 5 GB Freivolumen ausreizt, will er eine Flat. Denn ihm sind die paar Euro Aufpreis pro Monat egal - viel wichtiger ist, dass er dann nie mehr auf die Uhr oder den Trafficzähler kucken muss. Und so wird es wohl den meisten erwachsenen DSL-Usern gehen. Die Kiddies wollen eh Flatrates fürs Saugen.

Michael Müller meint:

Witzig wird es erst dann, wenn die Bandbreiten der DSL-Anschlüsse weiter ansteigen, Triple-Play-Angebot über die Breitbandleitung bereitgestellt und die Anbieter von den Traffic-Kosten überrollt werden.

Avatar Peter Giesecke meint:

Das wird den Providern sicherlich nicht passieren. Ich habe seinerzeit bei onlinekosten.de darauf gewettet, dass sich Volumentarife durchsetzen werden, habe mich aber darin getäuscht. Sowohl die Provider als auch die User wollen Fixgebühren. Da gibt es dann eine Grundgebühr (vielleicht nach Bandbreiten gestaffelt) und einige Zusatzdienste für ein paar Euro extra. So in etwa entwickelt sich übrigens gerade der Mobilfunkmarkt. Oder das Pay-TV.

Aber zu deinem Punkt, Mike. Die Traffic-Kosten können in der Tat den Providern das Genick brechen. Aus diesem Grund hat freenet aber auch einen eigenen Hochleistungs-Downloadserver. Um den Traffic im eigenen Netz zu halten. Deshalb lohnt sich auch VoIP für die DSL-Provider. Und auch Video-on-Demand wird innerhalb der Providernetze angesiedelt werden.

Ein Provider hat mir in einem Gespräch bei der letzten CeBIT übrigens angedeutet, dass die Provider in Zukunft schlichtweg unterscheiden werden, ob der Traffic innerhalb des eigenen Netzes anfällt oder mit einem anderen ISP abgerechnet werden muss. Dann wird es wieder viele Flatrates geben, die den Namen nicht verdienen. Und AOL und T-Online dürften ihren geschlossenen Bereich wieder aufmachen.

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