Netzausfälle

Der deutsche PATRIOT Act

6. Dezember 2005, 11.15 Uhr von Sven Wagenhöfer

Privatsphäre, Terrorangst und Datenspeicherung bilden ein konfliktgeladenes Dreieck. Vielen deutschen Politikern wäre es am liebsten, wenn einfach alle Daten eines Internetsurfers gespeichert werden würden. Seien es nun Netzzugangszeiten mit IP-Adresse, Mobilfunkstandortdaten oder gleich die ganze E-Mail-Kommunikation, am liebsten würde Heribert Rech, Innenminister von Ba-Wü, das alles eher länger als kürzer speichern, um der Terrorfront ein Schnippchen zu schlagen. Wenn er jetzt nur noch an die amerikanischen Daten rankäme!

Heribert Rech, ein echter Patriot
Heribert Rech, ein echter Patriot (Bild: photocase.com)

Auf amerikanischen Servern liegen nämlich zusammengefasste Profile über jeden Websurfer, der einmal Google oder amazon benutzt hat. Auch die Profile von deutschen Surfern. Man kann ja schließlich nicht erwarten, dass echt deutsche Daten auch auf deutschen Servern gespeichert werden. “Du bist Deutschland” juckt Google gerade mal nicht. Zwei, dreimal nach den falschen Stichworten bei Google gesucht und für nen Freund ein Buch über muslimische Lebensweise gekauft - schon wird man als potentieller Attentäter nicht mehr ins Land gelassen.

Die amerikanische Regierung kommt auch ganz gut an diese Daten ran - mit dem PATRIOT Act nämlich (Uniting and Strengthening America by Providing Appropriate Tools Required to Intercept and Obstruct Terrorism Act of 2001). Sowas hätte Heribert Rech, nominierter für den Öfter-mal-die-Fresse-halten-Preis wohl auch gerne. Neben den IT-Produkten im Paket dabei sind dann auch die Daten von Payback und Happy Digits. So behält man gleich die Übersicht, wann Giesecke das letzte mal seine Adresse bestätigt hat.

Zum Glück sind unsere Datenschützer in Deutschland sehr aktiv. Aber über kurz oder lang wird wohl die Datenspeicherung verlängert werden. Und da die Datamining-Programme auch immer besser werden, kann irgendwann auch der komplette IP-Verkehr gefiltert und durchsucht werden. Die Terroristen steigen dann auf die gute alte Briefpost um. Die kann man nämlich leicht an einen Briefkasten im Irgendwo zukommen lassen und an jeder gelben Postbox deutschlandweit einwerfen. Öffnen tut sie auch keiner. Dafür werden meine privaten Mails mit Giesecke mitgeloggt. Wer’s braucht.

4 Antworten zu “Der deutsche PATRIOT Act”

Silkitomee Bloghunter » Blog Archive » Apropos Fresse aufreissen und halten … meint:

[…] Apropos Fresse aufreissen und halten … Lesenswerten Beitrag gefunden: Der deutsche PATRIOT Act

Er macht bewusst, wie wichtig es ist, die Beschützer […]

Henryk Gerlach meint:

> Auf amerikanischen Servern liegen nämlich zusammengefasste Profile
> über jeden Websurfer, der einmal Google oder amazon benutzt hat. Auch
> die Profile von deutschen Surfern.
Ach das ist alles nicht so einfach, auch nicht für Google und die Amis. Die meisten Informationen gibt man eh “freiwillig” heraus, will heissen: Wenn man nach Dir sucht, findet man wahrscheinlich mehr, als wenn man versucht deine verstreut hinterlassenen Daten zusammenzupuzzeln.

Trotzdem schön, das Du über den Scheiss, der sich da zusammenbraut schreibst. In ein paar Jahren, ist es nämlich viel einfacher, die Daten zusammenzupuzzeln und dann ist es zu spät.

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Man kann ja immer argumentieren: Wer nichts zu verbergen hat, muss sich auch nicht fürchten. Dennoch passt es mir nicht, dass ich plötzlich nicht mehr in ein Land einreisen darf, nur weil ich (in den Augen der dortigen Regierung) falsche Bücher gekauft habe. Oder eben bei Google nach islamischen Sachen geforscht habe.

thi meint:

Herr Heribert Rech hat in der
ersten Woche ‘06 die ungeteilte
Aufmerksamkeit
der türkischen Armee der Grauen Panther und einer
weiteren breiten Oeffentlichkeit
der klassischen
modernen Türkei
auf sich gezogen.
Dies durch einen
Einbürgerungsfragebogen,
welcher auf einige
Europäer wie ein
Radikalenerlass aus der Inquisitionszeit
der Jesuiten wirkt. In seiner
Funktion als Innenminister
scheint Herr Heribert Rech damit einen der
in der europäischen Geschichte
besonders
in Frankreich
sehr blutigen
Religionskriege
losgetreten zu
haben.

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