Der Wiki-Wissenschaftsjournalismus

3. Januar 2006, 12.51 Uhr von

Einen großen Zeitanteil wissenschaftlicher Arbeiten nimmt das (Er-)Finden wichtiger und richtiger Quellen und Internetlinks, die das eigene Geschreibsel belegen, in Anspruch. Ähnliche Probleme kann allerdings auch der gemeine Journalist haben. Denn kommt eine Meldung nicht einfach von der Pressemitteilung und besitzt das Magazin keine weiterführenden Themen im eigenen Hintergrundbereich, wollen vernünftige Links gefunden werden. Schließlich will man den Leser gerne zum Weiterlesen anregen – und ihm Seiten präsentieren, die das Thema ausführlicher behandeln. Die (augenscheinliche) Lösung für das Problem: Die Wikipedia.

PM und Wikipedia - die mögen sich
PM und Wikipedia – die mögen sich (Montage: netzausfall)

Auch in Print-Magazinen hat sich das Angeben von weiterführenden Internetlinks inzwischen eingebürgert. Dabei gehen manche Magazine wie die c’t den Weg über die eigene Seite: Nach Eingabe eines Codes erhält der Leser alle passenden Links zum Artikel ohne Abschreiben vom Papier – praktisch. Das populärwissenschaftliche Magazin P.M. gibt mindestens einen (den wichtigsten?) Link direkt im Magazin an.

Zugegeben: Gesurft bin ich auf die Links nach der Lektüre nur selten. Im Dezember-Heft allerdings bin ich stutzig geworden und habe mehrfach zurückgeblättert. Denn von acht großen Artikeln linken die Hälfte auf die Wikipedia – eine Häufung, die auch beim Überfliegen auffällt. Auch im September-Heft sind zwei Wiki-Links angegeben – davon einer über den “Umweg” von Freenets “Lexikon”.

Bedeutet das jetzt, dass die Wikipedia immer wichtiger und der Inhalt auch von anerkannten Print-Journalisten inzwischen als Quelle genutzt wird? Teilweise sicherlich, allerdings könnte ich mir zum Thema “Gesellschaft im Wandel – Die neue Arbeit” spannendere Links vorstellen als die Wikipedia-Übersichtsseite zur Arbeit. Interessant dagegen – und mit viel weiterem Klick-Material – der Wikipedia-Link aus dem Deich-Artikel.

Ist also die Wikipedia die Lösung für alle Quellen-Suchenden? Nein, denn nicht zu allen Themen lässt sich bei der (großartigen) Internet-Enzyklopädie das Richtige finden. Sie erleichtert allerdings definitiv bei passenden Themen das Quellen-Suchen und ist oft auch selbst eine wertvolle Quelle. Verlassen sollte man sich allerdings nicht nur auf sie. Und im eigenen Magazin durchaus auch ein wenig Zeit auf die Suche nach weniger bekannten Quellen verschwenden. Dafür gibt es ja auch ein gutes Internet-Hilfsmittel – die Suchmaschine.


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4 Antworten zu “Der Wiki-Wissenschaftsjournalismus”

Avatar Peter Giesecke meint:

Das hört sich bei dir so an, als ob Wissenschaftler und Journalisten sich erst nach getaner Arbeit auf die Suche nach den Quellen(links) machen würden. Ich frage mich dann nur, wie sie überhaupt ihre Texte haben schreiben können. Dabei haben sie doch irgendwelche Quellen genutzt. Warum diese nicht einfach in oder unter den Text packen? Und jetzt komme mir bitte keiner, die P.M. würde sich ausschließlich auf Wikipedia beziehen. Das traue ich nicht einmal denen zu.

Avatar Sven Wagenhöfer meint:

Naja, es gibt sicherlich auch vorher Quellen. Aber manchmal kann man auch ohne die weiterführenden Links schreiben. Gerade bei Sachen, die man selbst aus dem Hemdärmel schütteln kann. Wenn ich etwas über Internettechnik schreiben muss, dann brauche ich eigentlich keine Quellen mehr – muss aber welche angeben. Und dass die P.M. nur aus der Wikipedia abschreibt, habe ich ja nie behauptet. Es geht hier vornehmlich um die Links.

Falk meint:

Nun ja, ich könnte mir gerade im Fall der “populärwissenschaftlichen Magazine” vorstellen, dass es da ein ganz klassisches Problem gibt: kann ich eine dem Leser meines Blattes angemessene weiterführende Quelle bieten? Ich behaupte jetzt einfach mal, dass die meisten PM-Leser nicht sonderlich viel mit wissenschaftlichen Papers etc. anfangen können (dann würden sie nicht PM lesen..). Da kann man vermutlich schon mal vor dem Lemma stehen, dass keine allgemeinverständliche Quelle außer Wikipediaartikeln zur Verfügung steht. Abgesehen davon, dass das natürlich auch schön faul ist..

Avatar Peter Giesecke meint:

Das ist natürlich ein gutes Argument, dass der Autor selbst andere Quellen nutzt, als er dem Leser zur weiterführenden Lektüre anbietet.

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