Blutsauger. Oder: Schafft endlich die Suchmaschinen ab!
24. Januar 2006, 12.43 Uhr von Sven WagenhöferGlaubt man einer aktuellen Studie, ist Google die einflussreichste Marke weltweit. Kein Wunder, denn sucht man irgendwelche Informationen im Internet, wird erst einmal “gegoogelt”. Doch nicht nur die einfache Suche, auch andere Informations-Aggregationsdienste wie Google News ziehen Besucher an. Das gefällt den Google-Aktionären, nicht aber Usability-Papst Jakob Nielsen – denn der macht sich erhebliche Sorgen um das Suchmaschinen-zentrierte Surferlebnis.

Blutsauger Google (Screenshot: google.de)
Nielsen ist dabei allerdings nicht um die Usability der Suchmaschinen besorgt, sondern vielmehr darum, welche Auswirkungen diese auf das Internet-Business haben. Seine These in kurzen Worten: Wer oben gelistet sein will, muss Geld ausgeben – durch das Angebot/Nachfrage-Prinzip der Google-Adwords steigt der Preis. Dadurch verdient Google immer mehr, das Business immer weniger (Nielsens Beispiel ist im Business-to-Business-Bereich angesiedelt), ein Teufelskreis. Und eine Lösung hat Nielsen auch gleich parat: Userloyalität!
Man könnte es auch Userbindung nennen, das Nielsen hier propagiert. Und sicherlich hat er ein wenig Recht – denn der Trend geht definitiv zur Suchmaschine als Gedächtnis-Puffer und Tippersparnis. Wieso sollte ich noch explizit die Wikipedia besuchen, um nach dem Nährstoffgehalt von Milch zu suchen, wenn doch eine Eingabe von “Wikipedia Milch” in das browsereigene Suchfenster mich in der Mehrzahl der Fälle zum gleichen Ergebnis führt?
Nielsen übersieht in seinem Artikel allerdings einen wichtigen Punkt: Die schiere Informationsflut, die im Netz herrscht. Vor allem, wenn ich zu Themen recherchiere, zu denen ich noch keine Seite kenne, brauche ich zwingend eine Suchmaschine. Und genau für solche Suchanfragen ist auch Google ausgerichtet. Für etwas Allgemeines eben. Wer direkt nach einem Produkt sucht, wird sich nicht allein auf die Suchmaschinen-Werbung verlassen. Sondern zentrale Punkte ansteuern, die unabhängig Preise und Leistungen vergleichen. Das sind im privaten Bereich Preisvergleiche, im B2B-Bereich elektronische Marktplätze. Und genau die findet Google auch.
Ja, sicherlich arbeitet Google am “World Domination”-Plan. Zensiert manchmal Informationen. Und kann mit seinem Ranking das Wohl und Wehe eines Unternehmens bedeuten. Doch: Wie soll man sich als junge, frischgebackene Internet-Firma bekannt machen, wenn nicht über die Suchmaschinen? An dieser Form als Informations-Aggregator wird sich in Zukunft nichts ändern. Durch neue Syndikationstechnologien allerdings stellt sich automatisch die von Nielsen propagierte Userbindung ein – wenn ich eine Seite gut finde, landet sie in den Bookmarks, del.icio.us oder im RSS-Reader. Und ob die Seiten gut sind oder nicht und ob der Content etwas taugt – dafür ist Google nicht verantwortlich. Das Problem müssen die Seitenbetreiber schon selbst lösen.
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