Störende Links. Oder: Warum Al Bundy manchmal recht hat
1. Februar 2006, 22.47 Uhr von Sven WagenhöferDer gute alte Schuhverkäufer Al Bundy hatte da einen Satz, den wir bei unseren französischen Freunden immer gerne zitieren. Er meinte schlicht, “es ist falsch, Franzose zu sein”. Ob er damit generell richtig liegt, muss bei Mittelmeer, Sonne und gutem Rotwein (um nur einige Beispiele anzuführen) zwar bezweifelt werden, bei manchen Aktionen, die aus unserem Nachbarland kommen, hat Al dann aber wieder voll ins Schwarze getroffen. Genauer gesagt, in die Druckerschwärze der World Association of Newspapers.

WAN: Wer darf den Content benutzen? (Quelle: http://www.wan-press.org)
Diese Organisation, die in Paris residiert, vertritt nicht nur klassische Zeitungen, sondern auch deren Online-Ableger - und ist besorgt über den Content der letzteren. Genauer gesagt, um das Abgreifen der Zeitungs-Inhalte, wie es Google News oder der MSN Newsbot für ihre News-Aggregationsdienste tun. Ob die Zeitungsverleger gleich Geld von den Suchmaschinen wollen, wie es Golem betitelt, ist dabei noch nicht klar. Allerdings soll mit einer Anfrage an einige EU-Kommissare geklärt werden, ob die Suchmaschinen automatische Seiten mit den Inhalten von Magazinen generieren dürfen.
Dabei führt sich die Erklärung des WAN allerdings gleich selbst ad absurdum und dürfte damit in den Gehirnen der Suchmaschinenbetreiber gleich in Ablage P wandern. Denn einerseits wollen die Zeitungen ihre Inhalte nicht an Google abgeben, andererseits aber begrüßen die Verantwortlichen den zusätzlichen Traffic, den Google & Co auf ihre Webseiten schickt.
Um aus dem Nähkästchen zu plaudern: Steht eine Meldung bei Google News oder ähnlichen Diensten ganz weit oben, steigen (fast) automatisch auch die Zugriffe - das habe ich in der Praxis schon mehr als einmal erlebt und erzähle allen Online-Medienschaffenden da nichts Neues. Da zumindest Google News nur den Anriss der Meldung ausgibt (obwohl wahrscheinlich durchaus mehr im Cache vorhanden wäre), ist der Nutzer gezwungen, auf die entsprechende Seite des Magazins zu gehen, um die volle Meldung lesen zu können.
Was also könnte die Mitglieder des WAN stören? Sie sagen, die News-Seiten würden durch fremden Content Einnahmen generieren. Zu sehen ist jedoch weder bei den Google News noch beim MSN Newsbot auch nur eine einzige Anzeige. Ich tippe schwer darauf, dass es die direkte Einbeziehung der Konkurrenz ist. Denn natürlich zitieren die News-Seiten nicht nur eine einzelne Quelle, sondern benennen gleich mehrere.
Der Leser kann sich also anhand der Google-News-Listen entscheiden, welches Magazin er ansteuert - auch wenn man nach einiger Zeit wohl das eigene Lieblingsmagazin entdecken wird, Google hin oder her. Viel brisanter für die Magazine könnte es aber werden, wenn der geneigte Leser entdeckt, wie viel gemeinsame Texte es dann doch gibt. Also, wie viel entweder abgeschrieben oder aus einer Agenturmeldung übernommen wird.
Ob die Suchdienste Ihre News-Services einstellen werden, sofern das EU-Parlament sie überhaupt dazu zwingen wird, bleibt fraglich. Das hat auch bei der letztjährigen Klage von AFP gegen Google nicht geklappt. Aber natürlich könnten die Web-Magazine ihren Inhalt noch mittels robots.txt vor den Suchmaschinen verstecken - müssten dann allerdings auf die positiven Nebenaspekte verzichten. Letzte Alternative: Einen anderen Standort für das Headquarter suchen, aus dem nicht so viele halbbackene Ideen kommen - denn vielleicht hat Al Bundy ja doch recht…





