Spiegel Online auf dem Handy
10. August 2006, 19.02 Uhr von Peter GieseckeIch bin bekanntlich ein regelmäßiger Bahnfahrer und Infojunkie, was dazu führt, dass ich im Zug als erstes mein Smartphone, mein PDA-Handy, PDA-Phone oder whatever, also meinen Palm Treo 650 zur Hand nehme und einen Blick in meine E-Mail-Fächer werfe. Der zweite Blick gehört dann schon Spiegel Online. Auf dem Handy. Eine Handy-Version gibt es nämlich schon länger, jetzt hat Spiegel Online aber zusätzlich noch eine Ausgabe unter dem Namen Spiegel Mobil herausgebracht. Schön bunt.

Screenshot von Spiegel Mobil
Spiegel Mobil kann man sich in jedem HTML-Browser anschauen (die meisten Handys verfügen mittlerweile darüber, WAP war gestern), also auch auf einem 17″-Monitor, sieht dort nur seltsam aus, da sich das Layout der Displaygröße anpasst. Da es Handydisplays in allen erdenklichen Pixelbreiten gibt, ist dies aber sinnvoll.
Laut Spon “steht nahezu das gesamte SPIEGEL-ONLINE-Angebot bereit“. Ein so reichhaltiges Angebot lässt sich allerdings auf so kleinem Raum wie einem Handydisplay nicht in der gleichen Art und Weise präsentieren, da mussten schließlich Abstriche gemacht werden. Auf der Startseite von Spiegel Mobil werden viel weniger News präsentiert als auf Spiegel Online. Überhaupt ist die Seite nicht sehr lang, viel zu scrollen scheint man dem Leser nicht zumuten zu wollen, dabei ist das mit dem Handy kein Problem.

Screenshot von Spiegel Mobil
Auf der Startseite von Spiegel Mobil finden sich wenige Topnews und pro Rubrik nur eine weitere News, wobei insgesamt weniger Rubriken präsentiert werden. An dieser Stelle verrät Spiegel Mobil auch seine Zielgruppe: Das Ressort Wirtschaft wurde wegrationalisiert, stattdessen kann man zwischen Panorama, Sport und Kultur wählen. Spiegel Mobil richtet sich offensichtlich nicht an die Generation Blackberry.
Spiegel Online gleicht dies aber durch einen Link zu einer Seite aus, auf der allen Rubriken präsentiert werden. Die sind dann in etwa so aus wie die Navigation am linken Rand der Spon-Startseite. Im Prinzip finde ich das Navigationsproblem gut gelöst. Ärgerlich ist nur, dass sich die Links auf meinem Treo 650 nicht mit dem 5-Wege-Navigator anspringen lassen. Ich muss den Stift zu Hilfe nehmen, den ich sonst so gut wie nie brauche, das ist ungewohnt.

Screenshot von Spiegel Mobil
Trotz des guten Ansatzes hat die Übersicht gelitten. Die Schriftgrade variieren zu wenig, zu wenig wird mit Zwischenräumen gearbeitet, noch hat Spiegel Mobil zu wenig Struktur. Stattdessen wurde einmal kräftig in den Farbeimer gegriffen. Die Rubriken sind spontypisch eingefärbt, nur dass auf Spiegel Online die Farben erst zum Tragen kommen, wenn man sich innerhalb des Ressorts befindet, nicht schon auf der Startseite. Orientierung schafft dies nicht gerade.
Auch die einzelnen Artikelseiten hinterlassen ein zwiespältiges Bild. Der obere Teil mit Überschrift, Autor und Lead ist unübersichtlich, auch hier findet sich zu wenig Variation bei Schriftgraden und Abständen. Der untere Teil jedoch erscheint schön aufgeräumt, so muss eine gute Navigation aussehen.

Screenshot von Spiegel Mobil

Screenshot von Spiegel Mobil
Soweit die übliche Kritik. Völlig überrascht war ich, dass es auf Spiegel Mobil auch Videos geben soll. Spiegel Online tut so, als sei das mit UMTS kein Problem. Ich frage mich nur, wer das bezahlen soll und wie schnell so ein Download real ist? Leider habe ich kein UMTS-Handy, um das testen zu können. Die zweite Überraschung ist, dass sich über Spiegel Mobil auch das E-Paper abrufen lässt. Ich bin aber kein Abonnent und kann mich deshalb nicht einloggen.
Die alte Mobil-Version, die ich bisher genutzt habe, besteht weiterhin. Sie war sehr textlastig, hat aber ihren Zweck erfüllt. Durch einen besseren Überblick und mehr News auf der Startseite würde ich sie momentan sogar noch bevorzugen. Man kann aber davon ausgehen, dass Spiegel Mobil in den nächsten Wochen noch überarbeitet wird. Wir wünschen Spiegel Online ein glückliches Händchen dafür. Samstag werde ich wieder drei Stunden im Zug sitzen, mal schauen, was es dann noch zu entdecken gibt.

Screenshot von Spiegel Mobil






12. September 2006 um 14.24 Uhr
Hi Peter,
Dein Urteil über die neue Spiegel-Mobil Seite fällt für meinen Geschmack viel zu positiv aus. Ich will Dir im folgenden auch gerne erklären warum:
Als ich vor ca. zwei Wochen ganz normal wie jeden Morgen mit meinem MDA Pro (Win. Mobile 5.0) via WLAN auf Spiegel-Online wollte, die er bisher wie fast jede Seite in voller Pracht darstellen konnte, bin ich vor Wut schier geplatzt. Das was ich da nun zu sehen bekam, glich nicht einmal mehr im Entferntesten dem, was mir früher über Spiegel-Online geboten wurde!
Und besonders schlimm für mich war, dass es ja am Vortag noch ganz normal funktioniert hat. So hatte ich erst einmal meinen PDA im Verdacht, dass sich da vielleicht was in den Einstellungen zerschossen haben könnte, so dass ich jetzt Internet-Seiten grundsätzlich nur noch “kastriert“ anzeigen lassen würden. Um letzteres ausschließen zu können versuchte ich es gleich auch noch mit anderen Adressen, wie z.B. Google, heise und Golem. Doch die funktionierten alle tadellos, darüber hinaus musste ich zu meiner Verblüffung feststellen, dass mein alter PDA (ein HP Jornada 720 HPC) nicht von den Sanktionen der Spiegel-Online-Redakteure und Designer betroffen war. Da erschien zwar nun auch schon die überarbeitete Spiegel-Seite, allerdings nicht die scheußlich kastrierte Version von Spiegel-Mobil.
Das ganze versetzte mich so sehr in Rasche, dass ich es mir nicht nehmen ließ eine böse Mail an die Spiegel-Online-Redaktion zu verfassen. Besonders schlimm fand ich, dass es sich Spiegel-Online erdreistet, seiner treuen Leserschaft nicht nur eine solch misslungene und kastrierte Seite vorzusetzen, sondern dem mobilen Nutzer auch noch per Dauerschleife, diese “kastrierte“ Seite aufzuzwingen, indem man ihm dabei einfach keine Wahl mehr zwischen der “kastrierten“ und der Original-Seite lässt. Letzteres hätte sich ja (per Button “Zur unkastrierten Version“) durchaus bewerkstelligen lassen. Doch so ist diese Seite für mich absolut inakzeptabel und zwar sowohl mobil als auch in der momentanen Original-Version!
Wieso haben die überhaupt umgestellt, wieso konnte man es nicht einfach so lassen wie es war? Davor war es einfach perfekt, doch jetzt ist es die reinste Müllhalde – Schrott pur! Und ich koche nun innerlich vor Wut, zumal meine erste Mail gleich mal ignoriert wurde, erst auf die zweite bekam ich dann eine recht schroffe, verständnislose Antwort, so nach dem Motto: “Wir nehmen Ihre konstruktive Kritik gerne zur Kenntnis, dennoch geht sie uns auf gut deutsch gesagt am A*** vorbei, weshalb wir uns von Ihnen auch nicht von unserer Linie abbringen lassen und daher genauso weitermachen wie bisher! “ Das hatten sie natürlich so nicht formuliert, aber es mir “durch die Blume“ zu verstehen gegeben!
Seitdem ist Spiegel-Online für mich gestorben, diese Seite wird von mir aufs schärfste verurteilt und ab sofort nur noch gnadenlos boykottiert. Stattdessen werde ich mich nun nach anderen, informativeren und aus meiner Sicht akzeptablen Seiten umsehen, die bisher noch nicht “kastriert“ wurden (z.B. ZDF-Online, FAZ.de, Stern.de, Focus-online.de). Spiegel werde ich allerhöchstens noch über AvantGo nutzen, dann halt komplett ohne Bilder, denn die Bilder auf der Spiegel-Mobil-Seite sind ja wohl nicht Ernst gemeint oder?!
Video-Clips habe ich noch nicht getestet, geschweige denn gefunden, ich habe auch UMTS (30 MB Freivolumen / Mon.) in meinem Gerät und werde die besagten Videos für Dich noch testen, bevor ich mich dieser Seite endgültig entsage – die können ja nur scheiße sein – vielleicht so 0,5 Zoll?
Ich nutze wohl das Internet mobil und das möchte ich auch gerne weiterhin tun, jedoch nutze ich grundsätzlich keine mobilen Seiten, weil die meistens scheiße sind! Und wer ein Smartphone oder ein Handy-PDA besitzt ist auf mobile Seiten eh nicht angewiesen, zumal dieser jemand eh grundsätzlich die abgespeckte bzw. komprimierte Seite von seinem Mobilfunkanbieter angeboten bekommt, sobald er per GPRS oder UMTS online geht. Doch im Gegensatz zu Spiegel-Online, stellt einem der Mobilfunkprovider wenigstens vor die Wahl, ob man die Seiten nun in abgespeckter Aufmachung oder in Originalansicht nutzen möchte. T-Mobile tut dies z.B. über den sog. Speedmanager, da wird man dann vor jeder Mobilfunk-Onlinesitzung gefragt ob man den Zugang in komprimierter oder original Geschwindigkeit nutzen möchte. Unter komprimierter Geschwindigkeit, geht der Seitenaufbau zwar schneller, die Informationen sind auch die selben, lediglich die Seiten sehen scheiße, da farblos und pixellig aus. Daher nutze ich meinen mobilen Zugang grundsätzlich in Original-Geschwindigkeit und erwarte dann natürlich auch die ganzen Vorzüge des herkömmlichen Internetzugangs, also bloß keine “kastrierten“ Seiten!!!
Gruß
Charly