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Die Netzeitung wird aufgespalten

17. Juli 2007, 11.09 Uhr von

Die Heuschrecke ist wieder da. Nachdem David Montgomerys BV Deutschen Zeitungsholding die Netzeitung am Schlafittchen zu packen bekommen hat, wird jetzt zugedrückt. Der Hals liegt schließlich nur einen festen Handgriff entfernt. Auflösung der Redaktion, Aufspaltung in Was-auch-immer, so ähnlich steht es auf faz.net (gefunden über das feine Notizblog).

Netzeitung-Logo mit Trauerrand
Montage: Netzausfall

Veränderungen waren nach der Übernahme zu erwarten. Und was ich auf faz.net lese, ist erst mal nur ein Bericht, dem ich Glauben schenken muss. Oder kann. Ich habe keine Ahnung, was sich da wirklich abspielt. Ab Oktober soll es die Netzeitung als eigenständiges redaktionelles Angebot nicht mehr geben. Sie wird aufgespalten und als eine Art Mesh-up wieder zusammengesetzt.

Das hört sich innovativ an (früher hätte man modern gesagt), ist es aber nicht. Die Netzeitung soll in die Bereiche (Redaktionen? Portale? Kostenstellen?) „Net-News“, „Net-Magazin“ und „Net-Formate“ aufgespalten werden. Hallo? Sind solche Bezeichnungen nicht seit dem Scheitern der New Economy verboten? Aber wer eine Newsportal kauft, ohne vorher richtig in die Bücher geschaut zu haben… Kommt man dafür eigentlich vor das Heuschrecken-Standesgericht?

Was auch immer passieren wird, das hehre Ziel, eine Zeitung im Netz zu machen, steht nur noch auf Altpapier. Bemerkenswert finde ich, dass die Netzeitung damit einen Rückschritt macht, den viele in umgekehrte Richtung als Schritt nach vorne machen wollen. Wer klein ist, will wachsen, neue Themen erschließen, sich mit anderen zusammenschließen und das nächst größere und thematisch breiter aufgestellte Newsportal einholen.

Wer sich so wie die Netzeitung an die Eier packt, kastriert sich allerdings selbst. Wer soll denn solche Nur-Net-Themen lesen? Oder heißen die nur so? Die Leuten wollen das normale Leben im Internet abgebildet haben. Deshalb ist auch Spiegel Online mit seinem Boulevard so erfolgreich und nicht heise online. So groß muss es aber gar nicht sein, klein sein hat auch seinen Reiz. Zum Beispiel, wenn man sich spezialisiert und eine Nische ausfüllt. Net-News, Net-Magazin und Net-Formate hört sich aber nicht nach Nische an, sondern nach Wischiwaschi.

Dazu passt dann auch, dass laut Bericht von faz.net keine Redakteure mehr gebraucht werden. Das machen dann Freie oder Videotextbestücker oder Content-Manager, so klar war mir das nicht. Das Notizblog hat es aber sehr schön auf den Punkt gebracht: „Der Content kommt aus der Luft“. Ob damit nun Heuschreckenexkrement gemeint ist?

Um hier einem Missverständnis vorzubeugen, ich habe nichts gegen Finanzinvestoren. Nicht grundsätzlich. Und ich mag eigentlich auch keine Schwarzweißmalerei mit Heuschreckenbildern. Falls die Netzeitung Verluste macht, muss der neue Eigentümer handeln. Wer will dem widersprechen? Aber alles zurückschneiden und in ein Format pressen, auf das in China nicht einmal ein Sack Reis fallen würde, damit macht man sicherlich auch kein Geld.

Und noch eine Anmerkung: Ich bin sehr froh darüber, das Golem von Holtzbrinck gekauft wurde.



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6 Antworten zu “Die Netzeitung wird aufgespalten”


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