Das [...] trägt den schwarzen Gürtel in Entertainment.
Mit etwas mehr Pathos:
?Wir stehen vor der Wahl zwischen Sklaverei und Freiheit. Wir wählen die Freiheit”, sagte Konrad Adenauer in seiner berühmten Regierungserklärung vom 3. Dezember 1952 und legte damit eines der Fundamente für das deutsche Gemeinwohl. Jetzt hält der Gedanke der Freiheit mit [...] auch im Mobilfunk Einzug.
Das können doch nur Praktikanten formuliert haben, oder? Und heute abend kann man dann googeln, wieviel Praktikanten in den Redaktionen diese Formulierungen durchgewinkt haben. *schüttel*
HTC hat gerade zwei neue Smartphones vorgestellt (schöne Dinger das HTC Desire HD und das HTC Desire Z). Und dazu gibt es eine universelle Inbox für alle Mails. Das war eines der Hauptverkaufsargumente von John Wang, dem amüsant akzentuiert vortragenden Chief Marketing Officer von HTC.
Wer seine Mails mit dem Handy abruft, so die Logik, spart Zeit, wenn man nicht von E-Mail-Konto zu E-Mail-Konto springen muss, sondern alle neuen Mails an einem Ort versammelt sind. Stattdessen gibt es nun Filterfunktionen, die ungelesene Mails oder solche mit hoher Priorität zuerst anzeigen.
John Wang in seinem Element
Ich verstehe das nicht. Es mag sein, dass man etwas Zeit spart, indem man den Zugriff auf alle Mails erleichtert, definitiv mehr Zeit würde man sparen, wenn nur ein Teil der Mails den Weg auf das Handy finden würden.
Dabei helfen separate E-Mail-Konten. Die persönlichen Mails liest und beantwortet man unterwegs. Die Newsletter warten auf Phasen mit etwas mehr Zeit am großen Rechner.
Noch einen Schritt weitergedacht: Wer in Fluten aus Mails ertrinkt, sollte dafür sorgen, weniger Mails zu erhalten. Also: Newsletter abbestellen, die Freunde und Kollegen erziehen, dass sie nicht jede Witzmail weiterleiten, sondern nur wichtige Dinge kommunizieren.
Dort findet sich allerdings nur ein Satz (zumindest online): “Auch die englische Sprache in den Zügen soll reduziert und auf Strecken und Bahnhöfe konzentriert werden, wo internationale Gäste unterwegs sind”. Spon macht einen ganzen Artikel daraus.
Nicht zu viel Englisch, sondern zu schlechtes (Bild: Deutsche Bahn)
Dieser macht sich lustig über “Thank you for travelling with Deutsche Bahn”. Falls jemand diesen Satz noch nie im Zug gehört haben sollte, dort wird er meist “senk ju vor träwelling” ausgesprochen. Wer den Schaden macht, muss für den Spott nicht sorgen. Ich haue da gerne in die gleiche Kerbe.
Dennoch erweckt Spiegel Online den Eindruck, die Reduzierung englischsprachiger Ansagen sei die Reaktion auf “genervte Passagiere”. Das gibt der eine Satz im Wiwo-Interview aber nicht her. Von schlechtem Englisch ist dort nicht die Rede, sondern von zu vielen Informationen.
Nicht zu viel Englisch, sondern zu schlechtes
Denn das ist doch das eigentliche Problem: In deutschen Zügen wird nicht zu viel Englisch gesprochen, sondern zu schlechtes. Das ist einerseits die Aussprache. Andererseits ist das Kauderenglisch oft nicht zu verstehen, weil es viel zu schnell und undeutlich heruntergerattert wird (um die schlechte Aussprache zu kaschieren). Zudem handelt es sich meist nur um eine Kurzübersetzung, in der dann entscheidende Passagen fehlen wie zum Beispiel, dass man auf einem anderen Gleis einfährt oder den Anschlusszug verpasst.
Dieses Problem löst sich nicht, wenn das freundliche Zugbegleitpersonal diese Ansage vor Bochum weglässt, vor Köln aber alles beim alten lässt. Wer kein Deutsch spricht, versteht weiterhin nur Bahnhof. Und der Rest der Fahrgäste schämt sich fremd.
Selbstverständlich gibt es Ausnahmen, auch gar nicht wenige.
Eric Schmidt hat zum Abschluss der IFA eine Keynote gehalten. Um die Minute 25 herum, kam ein Produktmanager auf die Bühne, der ein rotes Poloshirt trug. Wenn man sich Hugo Barra anschaut, sein Alter, sein Haarschnitt, seine Körpersprache, würde ein fein geschnittener, italienischer Anzug viel besser zu ihm passen. Auch in den zahlreichen Produktvideos sieht man Poloshirts in allen Farben. Warum eigentlich?
Google-Manager Hugo Barra auf der IFA 2010
Das ist wohl der McDonald’s-Effekt. Schon vor Jahren habe ich die These gehört, dass McDonald’s gerne Studenten und Ausländer einstellt, damit man sich nicht beim Rumsauen mit Burger und Ketchup von jemandem beobachtet fühlt, der im Zweifelsfall besser weiß, wie man sich zu benehmen hat.
Man könnte das auch so ausdrücken: Die Esskultur in einem McDonald’s-Restaurant wird so niedrig angesetzt, dass möglichst viele Menschen diesen Standard erreichen.
Google-Dienste sind gut, keine Frage ? anders als Fast Food. Aber die Begeisterung der Masse ist sicherlich das gleiche Ziel. Auch Google lullt seine Kunden ein ? mit bunte T-Shirts und glücklichem Grinsen.
Ich bin nett und harmlos, lautet die Botschaft. Aber hinter verschlossenen Türen, glaube ich, ist Google ein ganz schön elitärer Verein. Deshalb machen die auch so gute Produkte. Um einen Burger zu braten, muss man allerdings kein Genie sein.
Ich habe etwas gemacht, das ich sonst nicht mache, Anne Will geschaut. Ich habe einen Google Alert zu Norbert Bolz laufen, dieser war dort am Sonntag zu Gast. Am gestrigen Montag habe ich dann tagsüber die Talk Show über die Mediathek nachgeschaut ? zwischendurch in 5-Minuten-Happen. Andere Leute gegen rauchen.
Thilo Sarrazin hat nicht ein Buch geschrieben, sondern mindestens drei Bücher, die den gleichen Titel tragen. Sie sind ineinander verschachtelt wie die russischen Matrjoschka-Puppen. Es geht um Demographie, um Wirtschaft und dann, im innersten Kern des Ganzen, um Biologie. Wer zu der dritten Puppe nicht vorstößt, versteht das Ausmaß der Aufregung nicht. Aber von ihr hängt die Architektur des Ganzen ab.
Bei Anne Will war nichts davon zu vernehmen ? weder von der Redaktion noch von den Gästen (auch wenn das Bild von den verschachtelten Puppen verkürzt zitiert wurde). Immer wieder wurde zwischen diesen drei Ebenen gesprungen. Wer vorher nicht wusste, worum es ging, wusste es hinterher auch nicht. Das ist die Realität öffentlich-rechtlichen Fernsehens.
It’s the newspaper, stupid
Das war eine Unterhaltungsssendung mit zugegeben guten Pointen zwischendurch. Wenn man diese Stunde aber verwendet hätte, um zwei, drei gute Hintergrundartikel zum Thema Sarrazin zu lesen (in FAZ, Zeit oder Süddeutsche; in der Zeitung oder online), würde man jetzt wissen, worum es geht.
Dass bei einer Umfrage, die Anne Will am Anfang der Sendung zitierte, 18 Prozent gesagt haben, sie würden eine Sarrazin-Partei wählen, geht letztlich auch auf solche Talk Shows zurück, die Plakatives zur Schau stellen statt Inhalte zu vermitteln. Das ist Reproduktion.
Eine geschlagene halbe Stunde habe ich vorhin nach einem Bild gesucht, um eine Meldung für Pocketbrain zu illustrieren. Dann gab ich auf. In der Pressemitteilung heißt es:
Reprofähige Bilddaten (JPEG Format, 300 dpi-Auflösung, Bildgröße: 13 x 18 cm) erhalten Sie auf Anfrage bei [...] oder auf der [...] Homepage unter dem Link
Dann folgt ein Link in die Datenbank mit den Pressebildern des europäischen Zweiges des Konzerns. Bilder zum Produkt, über das ich schrieb, waren dort nicht zu finden. Ich suchte auf der deutschen Website, auf der internationalen, auf der britischen. Nirgendwo gab es Bilder zum neuen Produkt.
Kein Einzelfall
Dieses wurde im Rahmen der IFA vorgestellt. Die Vorstellung neuer Produkte zu diesem Anlass erfolgt nicht adhoc. Ich verstehe deshalb nicht, dass mit der Freischaltung der Pressemitteilung nicht zeitgleich auch die Bilder freigeschaltet werden können.
Ein Einzelfall? Leider nicht. So etwas passiert in den letzten Jahren vermehrt ? bei großen Konzernen sowie bei kleinen PR-Agenturen. So ist zumindest meine Erfahrung.
Arbeiten am Wochenende
Am gestrigen Freitag hätte ich eine Mail an die PR-Agentur schicken können und das Bild sicherlich auch recht schnell gehabt. Stattdessen blieb die Pressemitteilung bis heute liegen. Angesichts der Info-Flut zur IFA ist das kein Wunder.
Aber auch sonst lassen viele Online-Redaktionen Material für die Abendstunden oder das Wochenende liegen. Und in kleinen Zusammenhängen wird auch nicht vorher geprüft, ob alle Informationen und Bilder vorliegen. Die Überraschung kann dann erst am Wochenende kommen.
Google hat eine Idee: Die Technik des Gmail-Spamfilters kann dazu genutzt werden, nicht nur die schlechten Mails auszusortieren, sondern auch die guten hervorzuheben. Diese kommen dann in die Priority Inbox.
Man schaut dann also zuerst auf die E-Mails, die Google für wichtig hält. Sie wären bestimmt auch sonst aufgefallen und zuerst bearbeitet worden. Das Problem ist aber der lange Rattenschwanz an E-Mails, die nicht so wichtig sind, sodass man sie auf die lange Bank schiebt. Das war bisher so, das wird auch weiterhin so bleiben.
Das Problem der vielen unerledigten E-Mails liegt nicht an der schlechten Organisation (auch bisher konnte man schon mittels Filter mehrere Inboxen aufsetzen), sondern daran, dass es schlichtweg zu viele Mails sind.
Kürzlich habe ich gelesen, dass ein Berufstätiger im Schnitt 150 E-Mails am Tag bekommt (die Quelle kann ich leider nicht mehr liefern). Bei einem Acht-Stunden-Tag und keinen anderen Aufgaben hätte man etwas mehr als drei Minuten pro Mail, um diese zu beantworten oder zumindest zur Kenntnis zu nehmen.
Das Problem zu vieler E-Mails wird man letztlich nur in den Griff bekommen, wenn es weniger werden. Die Priority Inbox von Gmail ändert daran aber nichts.