Alle Artikel seit 2005

Eine neue Heimat für meine Adressen

23. Oktober 2012, 16.37 Uhr von

So schön Googles Dienste auch sind, es ist mir unheimlich, meine Daten dort liegen zu haben. Nicht, dass ich glaube, dass Google böse sei, aber es gibt nun mal schlechte Produktmanager und andere Pannen. Google selbst ist ein gutes Beispiel dafür. Der Suchmaschinenbetreiber hat seinerzeit bei der Einführung von Buzz allen Kontakten offengelegt, wer im eigenen Google-Adressbuch gelistet war. Die Frage ist also nicht, wie gut ein Dienst ist, sondern, wie groß der mögliche Schaden wäre, wenn etwas schief geht. Ich habe meine Adressdaten jetzt von Google zu Fastmail verlagert.

Eine Überlegung war, die Daten nur noch lokal zu speichern. Da ich aber zumindest die Telefonnummern auf meinem Handy und die E-Mail-Adressen in meiner Mailanwendung brauche, hätte ich dort Kopien ablegen müssen oder zumindest Teilmengen. (Mehr zu den Problemen weiter unten.) Also habe ich es mir einfach gemacht und meine Adressen jetzt zwar online gespeichert, aber bei einem Anbieter, der seinen Dienst nicht sozial aufzieht, indem er Profile miteinander verknüpft. Im Gegenzug zahle ich auch einen kleinen Betrag an Fastmail.

Google hält sich nicht an den Standard

Ganz so einfach war es aber nicht. Vor Jahren benötigte man noch eine hässliche Software, die im besten Fall der Handyhersteller auf CD-ROM mitlieferte; heutzutage braucht man nur noch seine Google-Zugangsdaten einzugeben und auf allen Geräten sind die Daten auf dem selben Stand. Die Probleme von früher rührten daher, dass es zwar einen Standard gab, sich aber niemand daran hielt, jeder erweiterte ihn um neue Datenfelder. Wenn man dann die Daten in eine neue Anwendung überspielte, ging etwas verloren. Wer jetzt ausschließlich Google nutzt, merkt bloß nicht, dass das Problem nach wie vor besteht. Google hat es nicht gelöst. Im Gegenteil. Google scheint sehr generös, indem es seinen Nutzern die Möglichkeit bietet, alle Daten einfach zu exportieren. Das Problem erblickt man erst, wenn die Daten in der neuen Anwendung nicht schön aussehen. Google weicht auch vom Standard ab und liefert damit einen Grund, aus Bequemlichkeit bei Google zu bleiben.

Ich habe ziemlich lange gebraucht, bis ich all meine Daten von Google Gmail zu Fastmail überspielt hatte. Export und Import gingen schnell, aber ich musste einige hundert Datensätze nachbearbeiten. Das augenscheinliche Problem waren die Sonderzeichen. Wenn die Anwendungen unterschiedliche Zeichensätze nutzen, dann wird aus ä, ö, ü, ß und & plötzlich eine unlesbare Zeichenkette. Durch einen Wechsel des Export-/Importformates lässt sich dies aber meist beheben. Der Klassiker ist aber, dass sich nicht alle Datenfelder entsprechen. In einer Anwendung werden die Adressen in einem Feld erfasst, bei einem Wechsel müssen sie dann auf mehrere aufgeteilt werden. In umgekehrter Richtung gegen Daten verloren. Manchmal werden die Daten auch einfach falsch zugewiesen. Dann tauchen die Straßennamen zusätzlich in den Notizen auf. So passiert es, wenn man die Daten von Google zu Fastmail überführt.

Ein ähnliches Durcheinander gibt es, wenn eine Anwendung die Handynummer nach dienstlich und privat unterscheidet – was ursprünglich nicht vorgesehen ist. Ich nutze dieses Feld nicht mehr. Eine Handynummer ist für mich nur noch eines von beiden und damit der Festnetznummer ebenbürtig, aber eben keine Handynummer mehr. Ich nehme an, beim Export wurden deshalb die Festnetznummer durchnummeriert, was bei Telefonnummern nicht ganz so geschickt ist, wenn hinter der Nummer noch eine „(1)“ hinzugefügt wird oder eine „(2)“.

Nur eine vorläufige Lösung

Ein konkretes Problem in meinem Fall ergab sich auch daraus, dass mein Handy sich weigerte, die Adressen zu importieren – weder im Format vcard 3.0 noch als vcard 2.0. Ich sah keine andere Möglichkeit, als mein Handy doch mit einem Clouddienst zu verknüpfen, obwohl ich gerade von einem solchen weg wollte. Ich könnte zwar über den Handybrowser das Fastmail-Adressbuch aufrufen und von dort aus Telefonnummern anwählen (was bereits wenig praktikabel ist), ich würde vor allem aber nicht sehen, wer mich anruft, nur die Nummer. Ich habe also mein altes Yahookonto reaktiviert, das ich sonst für gar nichts nutze. Bereut habe ich es in dem Moment, als ich fast auf den Link geklickt hätte, der eine Mail an alle Kontakte schickt und meine ‚neue‘ Yahooadresse bekannt gibt. Ich glaube, da hätten sich einige Leute gewundert, dass sie in meinem Adressbuch stehen.

Meine Lösung ist also nur eine vorläufige, die meine Daten von Google trennt, aber noch nicht das bietet, was ich mir vorstelle.



Kommentare abonnieren (RSS)
Trackback-URL

Kommentar schreiben