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Der Journalimus und seine Rolle als Mittler

11. April 2015, 19.54 Uhr von

Schöne Texte reichen nicht, um schon Journalismus zu sein, es braucht auch Auswahl. Über welches Thema wird berichtet? Und welcher Artikel bleibt unveröffentlicht, wenn der Platz nicht reicht? Was wird ausführlich behandelt? Was nur kurz? Eine Zeitung zu machen, ist Kuration. Online scheint diese Kunst verloren gegangen zu sein.

Die scheinbare Grenzenlosigkeit im Internet verleitet dazu, jede Zeile, die angeboten wird, zu veröffentlichen – ein Mindestniveau vorausgesetzt. Die Logik dahinter ist, dass jeder Artikel ein wenig Geld bringt, sofern er sich wie üblich über Werbung finanziert. Die Aufgabe einer Redaktionsleitung verkommt zum Abnehmen und Redigieren, also zum bloßen Reagieren. Manchmal wird auch einfach nur durchwinkt.

Das ist nicht immer und überall so, aber wenn ich mich als Leser nicht auf wenige, ausgesuchte Quellen beschränke, dann besteht mein täglicher Nachrichtenkonsum aus immer mehr Texten mit einem immer höheren Anteil an Rauschen. Das gilt für den Spiegel-Online-Leser, den Social-Media-Junkie, den RSS-Abonnenten. Was fehlt, ist ein Hub, eine Zwischeninstanz, die eine kuratierende Rolle übernimmt.

Google News ist das nicht. Ein Algorithmus kann nicht kuratieren. Eine Auswahl nach Wahrscheinlichkeiten zu treffen aufgrund früher gelesener Artikel, ja. Aus allen Nachrichten einen Tages ein Paket schnüren, das als Sammlung eine eigenständige Aussage hat? Nein. Und die Verlage haben es versäumt, Alternativen aufzubauen, die auch journalistisch sind. Nachrichten.de ist nicht wirklich anders als Google News und außerdem langweilig.

Es braucht einen Menschen, um die Perlen an die Oberfläche zu holen und Kontext zu schaffen. Die zehn wichtigsten Themen eines Tages mit jeweils fünf Links: ein kurzer, nachrichtlicher Text; zwei Analysen mit unterschiedlichem Fokus; Hintergründe. Für diese Auswahl kann es kein Schema geben. Aber dennoch wird eine Auswahl angeboten mit immer gleich bleibendem Umfang. Keine Überfrachtung.

10.000 Abonnenten, die fünf Euro im Monat dafür zahlen? Noch keiner auf die Idee gekommen, das anzugehen?



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