Alle Artikel seit 2005

Die verlogene Debatte um den Werbeblocker Adblock Plus

19. November 2015, 15.10 Uhr von

In der Berichterstattung über Werbeblocker – insbesondere über Adblock Plus – scheint es im Kern um Moral zu gehen: Wird dem unabhängigen Journalismus die Lebensgrundlage entzogen? Oder hat der Leser ein Recht darauf, nicht von Werbung genervt zu werden? Tatsächlich geht es um Geschäftsmodelle.

Der Adblock-Plus-Betreiber Eyeo hat einen Weg gefunden, seine Nutzer auf höchste Weise zufriedenzustellen. Welches Medienangebot, das auf seinen Seiten Werbung schaltet, kann das schon in diesem Maße von sich behaupten? Die Leser würden einen Shitstorm lostreten und sich abwenden, würden die Newsportale die Bezahlschranke hochziehen.

Aber es musste noch etwas hinzukommen, dass die Berichterstattung so ins Negative getrieben wurde: Neid. Eyeo hat es geschafft, extrem viel Geld damit zu verdienen. Es gibt wahrscheinlich nur wenige Startups, die so gut skalieren. Eyeo ist noch kein Uber, aber vermutlich profitabler als jede Klitsche aus Berlin, die dir irgendwelche Klamotten ins Haus schickt und gerne raketenmäßig abgehen würde.

Dass es Adblock um die Verbreitung akzeptabler Werbung geht, ist natürlich Quatsch. So redet nunmal das Marketing. Der Mut der Bild-Zeitung besteht ja auch nicht darin, Wahrheit auszusprechen, sondern manchmal auf dreiste Weise das Gegenteil. Und hinter jeder gut gemachten Zeitung steckt zwar ein kluger Kopf, jedoch auch gepaart mit Gewinnstreben. Die Konsumenten wissen das, es stört sie aber auch nicht sonderlich.

Letztlich lässt sich der moralische Vorwurf an Eyeo auf dem Umstand reduzieren, dass das Unternehmen in einem Markt mit zwei Seiten aktiv ist: Die Nutzer sind nicht diejenigen, die das Geld zahlen. Das ist bei den Verlagen aber auch so! Die Werbetreibenden finanzieren Spiegel Online und die meisten anderen Online-Newsportale, nicht die Leser.

Warum ging es jetzt nicht um Moral, sondern um Geschäftsmodelle? Die Verlage hätten längst andere Einnahmequellen finden können. Die Leute sind ja bereit zu zahlen – nur nicht das, was die Verlage gerne hätten. Sich auf die Suche nach neuen Erlösmodellen zu begeben, das wäre Unternehmertum. Beklagen und verklagen ist kein Ersatz dafür.

Und der Leser? Hat er ein Recht darauf, von aufdringlicher Werbung in Ruhe gelassen zu werden? Wenn er keinen Adblocker hätte, würde er viele Angebote einfach nicht aufrufen. So würde ich es jedenfalls machen. Jeder Mensch hat da seine eigene Schmerzgrenze. Aber er hat ein Recht darauf, das selbst zu entscheiden.



Kommentare abonnieren (RSS)
Trackback-URL

Kommentar schreiben