Peter Giesecke war von 2001 bis 2004 Chefredakteur von onlinekosten.de, im Jahr darauf baute er als Chefredakteur die Redaktion von netzwelt.de auf. Der bekennende Newsjunkie schaut alle paar Stunden bei Spiegel Online vorbei und findet dort auch die eine oder andere Ungereimtheit. Allerdings könnte er auch spontan nicht sagen, welche Website besser gemacht ist - jedenfalls nicht in dieser Größenordnung.
Ich habe mich nie fürs Liveblogging begeistern können. Weder sah ich einen Anlass, selbst über Stunden hinweg in nur einem Beitrag zu bloggen, noch hatte ich Lust, für Stunden vor dem Monitor zu sitzen und alle zwei Minuten auf die F5-Taste zu drücken. Das scheint sich heute zu ändern. Der Netzökonom der FAZ bloggt live von der Freenet-Hauptversammlung.
Holger Schmidt scheint sich an feste Zeit zu halten. Die einzelnen Texthappen stammen von 9.30 Uhr, 9.45 Uhr, 10.00 Uhr, 10.15 Uhr und 10.30 Uhr. 10.45 Uhr wurde gerade ausgelassen, aber das muss wohl so sein. Denn, wenn es spannend wird, gehören Ohr und Auge nach vorne gerichtet und nicht auf den Laptop.
Der Vorteil: Für Menschen mit ausgeprägtem Suchtverhalten wie mir entfällt der Drang, alle zwei Minuten die Seite neu zu laden. Wer schon einmal ein Fußballspiel am Kicker-Ticker verfolgt hat, weiß, was ich meine.
Und schon wurde die Regel durchbrochen: Der Zusatz mit der Kennzeichnung 10.45 Uhr erscheint bei mir erst nach 10.48 Uhr. Und ein zusätzlicher wurde um 10.50 Uhr eingeschoben. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
Nichtsdestotrotz: Egal wie Holger Schmidt den Tag über weiterbloggt, ein Liveblogging mit festen Aktualisierungszeiten halte ich gar nicht für schlecht.
Wenn die Strompreise hochgehen, liegt das unter anderem daran, dass die Stadtwerke Bonn mir dauern Post schicken. Die sitzen ja auch in Bonn, die Post. Im Post-Tower. Nicht weit von hier. Die kassieren dann - gefühlt! - das meiste Geld aus der Preiserhöhung. Vielleicht hat der Marktingmensch von den Stadtwerken ein Bier zu viel von einem Postler ausgegeben bekommen. Irgendjemand muss hier doch kungeln, wo schon die ganzen Politiker weg sind. Würde ich aber nie im Ernst behaupten.
Tja, ich habe immer noch nicht meinen Stromanbieter gewechselt. Die Stadtwerke wollen, dass ich den Tarif wechsel. Ich dagegen will den Anbieter wechseln. Stadtwerke und Ökostrom, das ist doch paradox.
Netterweise haben mir die Stadtwerke gerade eine weitere Erinnerung geschickt. Die haben den Strom mal kurz weggelassen. Vielleicht eine Sekunde lang. Meinem Rechner hat es gereicht, um alles zu vergessen, was ich ihm gerade einhämmert habe. Das war eine Newsmeldung für Pocketbrain. Bloß ein Absatz, ich nutze fleißig Strg+s, aber immerhin. Danke, Stadtwerke. Bald wird der Anbieter gewechselt.
Ein wunderbares Video, das ich bei Johannes Kleske gefunden habe: David Heinemeier Hansson at Startup School 08. Hansson arbeitet für 37signals und ist der Macher von Ruby on Rails.
Er spricht aber darüber, wie man als Startup Geld verdienen kann und tritt dabei auf amüsante Weise allen vors Schienenbein, die nur auf Venture Capital aus sind. Sein Tipp: einfach Geld einnehmen. Wenn 2.000 Kunden monatlich 40 Dollar zahlen, hat man im Jahr bereits eine Million Dollar eingenommen. Nur mal so zur Anschauung.
Das nicht offizielle “The Nokia Blog” veröffentlicht erste technische Einzelheiten und beruft sich dabei auf das chinesische Onlinemagazin QQ.com. Im Vordergrund steht natürlich der Touchscreen, der 640 × 360 Bildpunkte fassen soll. Andere Berichte gehen sogar von 640 x 480 Pixeln aus.
Das Nokia 5800 hat nach Angaben des inoffiziellen Nokia-Blogs eine Display-Größe von 640 mal 360 Pixeln - andere Quellen gehen von 640 mal 480 Pixeln aus.
Das ist eine journalistische Schlamperei
, die ich da begangen habe. Ich habe nämlich meine Quelle für die 640×480-Pixel-Information einfach nicht genannt. Im zweiten Teil meines Artikels komme ich allerdings noch drauf zu sprechen. Teltarif dagegen, keine Ahnung woher die ihre Info haben. Wirklich keine Ahnung. Göttliche Eingebung? Jungs, ihr seid die besten!
Wie hört sich das denn an? Wikipedieren? Noch nie gehört. Googeln, ja. Das kennt man. Eine Zeitlang debattierte man darüber, ob es nun googeln oder googlen heißt. Aber das ist schließlich entschieden. Wie ich es oben verwendet habe, ist es richtig. Aber wikipedieren?
Dem Fremdwort-Lateiner fällt nicht gleich die Cicero-Büste vom Regal. Wikipedieren hört sich irgendwie gefällig an. Das könnte man sagen. Das könnte man sich angewöhnen zu sagen. “Ich wikipediere mal Äqulibrationsmodell.” Hört sich doch gut an.
Dennoch gebraucht das Wort keiner. Ich habe es mal schnell gegoogelt: 579 Treffer. Das ist nicht viel. Wikipedieren zu wikipedieren, muss ich nicht mehr. Google liefert nur einen Treffer auf Wikipedia. Nicht als Teil der freien Enzyklopädie, sondern auf der Seite eines Benutzers.
Dafür, dass ich keinen Fernseher habe, sei ich erstaunlich gut informiert, sagte man mir mal. Dank solcher Artikel von faz.net aus der F.A.S.: Obama und das deutsche Fernsehen. Der Pfeifton, der muss weg!. Leider nicht namentlich gekennzeichnet.
Es geht darum, was vor und nach der Obama-Rede in Berlin an Peinlichkeiten im deutschen Fernsehen lief. Es wurde nicht über Peinlichkeiten berichtet. Die Berichterstattung selbst war peinlich. Faz.net zitiert den Sender N24: “Obama hat vor allem Disziplin: Er war ja bei allen Anlässen fünf Minuten früher da - und das, obwohl er nie bei der Wehrmacht gewesen ist, bei den amerikanischen Streitkräften.”
So schlimm es offensichtlich um den Journalismus steht, auf der einen Seite, so zeigt der Artikel in der F.A.S. doch, wie man es richtig macht. Das ist die andere Seite. Und ich kann jetzt wieder mitreden, ohne mir das Trauerspiel selbst angeschaut zu haben. Was will ich mehr? Gut, mehr solcher Artikel. Online. In meinem Feedreader.
Das war in etwa der Umgangston, als ich meinem ersten Sysadmin begegnete. Das war noch virtuell, denn er musste tagsüber in die Schule, am anderen Ende der Republik, passte aber rund um die Uhr auf die Redaktionsserver auf. Als man sich dann tatsächlich begegnete, das ganze Team traf sich, da hatte man sich nichts zu sagen.
So war das, zu Beginn dieses Jahrzehnts, als der SysAdminDay zum ersten Mal ausgerufen wurde. Was die System-Administratoren da machten, verstand man nicht, zu schätzen wusste man es schon gar nicht, Hauptsache der Server lief. Andernfalls hieß es: Ey, mach mal.
Es kommen bei Pocketbrain noch mehr Pressemitteilungen an, die wir so gar nicht bestellt haben. Nicht von übereifrigen Tanja-Anjas aus deutschen PR-Agenturen, sondern aus Übersee. Es ist erstaunlich, wie viele englischsprachige E-Mails wir ohne zuvorigen Kontakt erhalten. Auch da wird manchmal die Gießkanne angesetzt, aber noch erstaunlicher ist es, wenn es thematisch passt.
Eben erhielt ich eine Pressemitteilung an die info@-Adresse, die wir selbst nicht nutzen. Um diese zu finden, muss man schon unser Impressum aufrufen. Einige Unternehmen machen sich also tatsächlich die Mühe, Google News der großen Länder aufzurufen und nach thematisch passenden Newsportalen zu fahnden. Respekt.
Die heutige Pressemitteilung hat lediglich das Fass zum Überlaufen gebracht. Mehr als ein Tropfen kam da auch nicht an, denn wieder einmal hat eine PR-Agentur mit der Gießkanne gegossen: “zur Unterstützung Ihrer redaktionellen Arbeit übersende ich Ihnen unten stehende Pressemeldung unseres Kunden”.
Den Namen des Kunden habe ich schon wieder vergessen, weil der mit Pocketbrain so wenig zu tun hat wie ein Reifenhersteller mit einem Newsportal über Autoradios. Bestellt habe ich die Pressemitteilung jedenfalls nicht. Die PR-Agentur selbst ist eigentlich ganz nett, die will ich auch gar nicht anmeckern. Aber diese PR-Arbeit 1.0 passiert einfach zu häufig.