Aus der Druckerpresse

Wir lesen auch noch Zeitungen und Zeitschriften, und ab und an auch mal ein gutes Buch. Was uns dort vor die Augen kommt, liest sich oft nicht anders als im Internet. Zu jedem Text gehört ein Schreiber, und der macht auch mal Fehler. In diesem Archiv findet ihr alle Netzausfälle, die sich mit Ausfällen in den Printmedien beschäftigen. Die Beiträge nur dieser Kategorie könnt ihr auch per RSS-Feed abonnieren.
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Der Zeit gekündigt

10. Mai 2008, 10.50 Uhr von Peter Giesecke

Jede große Liebe geht einmal zu Ende. Im Nachhinein sieht man immer klarer. Im Rückblick habe ich den Schlussstrich oft zu früh gezogen, aber auch nicht seltener zu spät. (Besonders bitter ist es, wenn man selbst keine Chance mehr bekommen hat.) Die Frage nach dem Warum lässt sich eigentlich nicht beantworten: zu komplex wäre die Antwort, um sie in Worte zu fassen. Ich erzähle dann stattdessen von dem Moment, als mir die Augen aufgingen.

Vor zwei Wochen war ich beim Web Content Forum in Köln. Als ich aus dem Haus ging, nahm ich die Zeit mit. Die Fahrt dorthin dauerte anderthalb Stunden. Als ich dort ankam, hatte ich nur noch den Politikteil in der Hand. Auf der Rückfahrt am Abend wurde ich von Jürgen begleitet. Nur ein kurzes Stück in Bonn blieb mir für die letzten Seiten. Als ich zuhause ankam, hatte ich die Zeit ausgelesen - in anderthalb Stunden. Es war nicht das erste Mal.

Ich habe mal gehört, um die Zeit komplett zu lesen, müsste man Rentner sein. Dann würde man es genau in einer Woche schaffen. Ich vermute, der das gesagt hat, schafft es nicht einmal, sich zwei, drei Stunden in der Woche zu nehmen, um die Zeit in Ruhe zu lesen. Seitdem ich die Wochenzeitung lese, also seit 1992, benötige ich zweieinhalb bis viereinhalb Stunden für die Lektüre. Es hat aber auch schon Wochen gegeben, wo ich mich ihr mehr als sechs Stunden gewidmet habe.

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Meine Liebe mit der Zeit verliert sich

3. April 2008, 23.42 Uhr von Peter Giesecke

In den letzten fast fünfzehn Jahren habe ich vielleicht ein oder zwei Ausgaben der Wochenzeitung Die Zeit verpasst. Das ist eine lange Zeit und zeugt von einer großen Liebe. Nur wenige können das nachfühlen. Fragt man diese jedoch, was sich in die Erinnerung gebrannt hat, dann wird eine Antwort immer wieder fallen: Die Abschaffung der Linien, Gestaltung durch Weißraum. 2008 sind die Linien zurück.

Als ich in die zehnte Klasse ging, lehrte Doktor Hohmann im Geschichtsunterricht, dass Frauen Zeitungen immer von hinten beginnen zu lesen: “Sie wissen schon, da stehen zuerst die Todesanzeigen.” Eine Zote. Dennoch habe ich gelernt: Man muss nicht vorne anfangen. Eine Zeitung zu lesen, ist kein Pflicht, sondern ein Vergnügen. Lange verschlang ich zuerst das Moderne Leben. Das Moderne Leben!


Schaut euch nur die Seitenzahl an. Macht man das heute so? Muss Die Zeit das so machen?

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Die Zeit trommelt für Naumann

21. Februar 2008, 21.44 Uhr von Peter Giesecke

Irgendwann musste die Zeit ja über den Wahlkampf ihres beurlaubten Herausgebers reden. Michael Naumann kandidiert für die SPD in Hamburg. Am Sonntag wird gewählt. Keine leichte Aufgabe. Aber anscheinend möchte die Zeit ihren Herausgeber wegloben. Ein Stück wie bestellt.

  • “Hier ist er”, brüllt jemand ins Mikrofon, “Hamburgs nächster Bürgermeister!” Michael Naumann macht einen Satz hinauf, dann steht auf der großen Bühne im Licht.
  • Er hat in seinem Leben reichlich Lob abbekommen, er steckt das gut weg.
  • Mit Schutzhelm ist der Schöngeist nun unterwegs auf U-Bahn-Baustellen, der Kenner amerikanischer Lyrik kämpft sich jetzt durch die Prosa der Kommunalpolitik.
  • Großkalibrige Sachen reizen Naumann, ein Bürgermeisterjob war noch nicht dabei.
  • Die Reden des Herausforderers sind plötzlich weniger kompliziert, nicht mehr ganz so analytisch, statt klassischer Zitate mehr Herz, mehr Mitgefühl.
  • Da ahnt man, dass das ein Mann mit Leidenschaften ist und auch mit Obsessionen.
  • Er hat die Stimmung gedreht, die Verachtung für die Genossen in der Stadt weggezaubert.

Hanns Bruno Kammertöns, Unordnung und spätes Leid, Die Zeit, 21. Februar 2008, S. 6

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Verständlich

10. Januar 2008, 11.34 Uhr von Peter Giesecke

Wenn ich mir die Linux-Artikel in der c’t anschaue (zum Beispiel: Reisenetz, Handys und Datenkarten für die Internet-Einwahl unter Linux nutzen in der aktuellen c’t 2008, Heft 2) und im vierten Absatz bereits lese “Der Befehl hcitool scan liefert Ihnen eine Liste aller in der Umgebung gefundenen Bluetooth-Geräte mit MAC-Adresse Ihres Handys”, dann ist mir klar, warum derjenige, der sich die c’t kauft, um sich eine neue Grafikkkarte zuzulegen, nie auf Linux umsteigen wird.

Was die potentiellen Umsteiger wollen, ist ein Artikel, der ihnen sagt: Dieses Programm brauchst du. Klick auf diesen Knopf, um es herunterzuladen. Ändere an der Grundeinstellung diese drei Punkte. Nutze es, ohne dich jemals wieder darum kümmern zu müssen, wie du es auf den Rechner bekommen und konfiguriert hast.

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Über die Vergänglichkeit der Liebe

31. Oktober 2007, 11.06 Uhr von Peter Giesecke

Martenstein finde ich toll. Mein Problem ist nur, dass ich alle seine Zeit-Kolumnen schon zu kennen scheine. Auch die ungeschriebenen. Wenn ich donnerstags das Leben in der Zeit aufschlage, denke ich, wenn ich zum ersten Mal Martenstein lesen würde, ich wäre begeistert. Doch hört sich an wie letzte Woche.

Martenstein-Kolumnen sind irgendwie alle gleich: Die Zeit hat ihm ein Thema geschickt, hier improvisiere ich mal, die Leere. Leer ist auch eine Stadt in Ostfriesland. Dann erzählt er, wie herzlich unausgefüllt seine Kindheitsurlaube an der Nordsee waren. Zum Schluss führt er beide Themen wieder zusammen: Martenstein in Ostfriesland, das ist Leere.

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Lohnt sich der Paid-Content der Zeit?

10. August 2007, 9.18 Uhr von Peter Giesecke

Der erste Nachbar, der das Haus verlässt, so hoffe ich, legt die Zeitungen ins Treppenhaus. Als ich gestern die Treppe hinunterstieg, gar nicht einmal so spät, lag dort die Zeit - plitschplatschnass. Regenstimmung auch bei mir. Mit spitzen Fingern trug ich das nasse Etwas in meine Wohnung, an der einzigen trockenen Ecke hochhaltend - dort, wo steht, was das Ganze wert ist: drei Euro und zwanzig Cent.


Das doppelte Aufmacherchen

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Die Zeit auf dem Bildschirm

26. Juli 2007, 10.40 Uhr von Peter Giesecke

Ich wohne direkt neben dem Haribowerk. Strecke ich die Nase zum Fenster raus, riecht es nach Lakritze. In dieser Straße leben Arbeiter neben Hausbesitzern mit Stuckerhaltungstrieb. Gehe ich hier spazieren, läuft mir schon mal Kai-Uwe Ricke über den Weg. Dieser Ort hat drei Bäcker, einen Haushaltswarenladen, eine Drogerie und einen Juwelier. Gleich neben dem Aldi.


Passt doch. Und kostet weniger

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Einmal werden wir noch wach…

21. Juli 2007, 1.45 Uhr von Sven Wagenhöfer

Endlich. Morgen ist es soweit - der neue Harry Potter wird geliefert werden. Oder soll es zumindest. Ich hoffe ja, dass der Postbote es rechtzeitig hier ins Kaff schafft und nicht erst seine große Runde durch Bonn oder Köln drehen muss, und wie üblich die Pakete erst nachmittags abliefert. Natürlich hätte ich auch schon vorher reinlesen können - aber will man das denn? Ne, nicht wirklich.

Irgendwo da drin isser, der Harry
Irgendwo da drin isser, der Harry (Bild: aboutpixel.de)

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Mehr Platz für Martenstein

21. Juni 2007, 11.02 Uhr von Peter Giesecke

Soso. Ich habe es ja gesagt. *Rechthabezeigefinger heb* Der Martenstein braucht mehr Platz. War er bisher zwischen einer viertel Doppelseite Werbung und einer halben Doppelseite noch mehr Werbung eingeklemmt, so erscheint er nun auf einer ganzen Seite für sich allein. Man muss nur die Verbraucherhinweise auf der rechten Hälfte nach hinten knicken. Der geübte Zeitleser weiß, wie so etwas geht. Schon hat man Martenstein pur. Dennoch frage ich mich, ob er auch mehr Zeilen erhalten hat. Ich bin aber gerade zu faul, das nachzuzählen.

Mehr Platz für Martenstein
Jetzt noch ein wenig die weißen Ränder füllen

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Das neue ZEITmagazin

24. Mai 2007, 15.36 Uhr von Peter Giesecke

Ich bin darauf hineingefallen. Das doppelte Titelblatt des neuen ZEITmagazins, ich habe es nicht verstanden. Ein mir unbekannter Mann schaut mich an, darunter steht: “Kennen wir uns nicht?” Auf der zweiten ersten Seite ist Günter Wallraff abgebildet. Erst der Text hat mich aufgeklärt. Gleich zu Beginn eine gelungene Überraschung? Vielleicht. Auch wegen der netten Anspielung: “Kennen wir uns nicht?” Das ZEITmagazin hat es früher schon gegeben. Wer lange genug dabei ist, kennt es.

Die Zeit und das neue ZEITmagazin
Die Zeit und ihr Magazin: Sieht anders aus, ist auch anders.

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